Diabetes-Warnhund

Diabetes-Warnhund – klingt interessant und scheint immer beliebter zu werden.

Diabetes-Warnhund kann eine Blutzuckermessung nicht ersetzen.

Was kann so ein Unterzucker-Warnhund? Er soll den Typ 1 Diabetiker vor einer Unterzuckerung warnen, wenn dieser die Wahrnehmung zu spät mitbekommt.

Diabetes-Warnhund
Ein Hund ist in erster Linie ein Haustier und kein Ersatz für Blutzuckermessungen

Sicherlich eine schöne Sache bei kleineren Kindern mit Diabetes, um auch den Eltern ein sicheres Gefühl in der Nacht zu geben.Der Diabetes-Warnhund schläft beim Kind. Nicht selten stehen Eltern Nacht für Nacht auf, um bei den Kindern den Blutzucker zu kontrollieren, weil eine Unterzuckerung eventuell nicht rechtzeitig wahrgenommen wird.

Der Diabetes-Warnhund schlägt Alarm, wenn der Blutzucker absinkt. Der feine Geruchssinn des Hundes nimmt wahr, dass sich bei einer Unterzuckerung der Schweißgeruch verändert.

Für mich stellt sich hier gleich die Frage, was ist, wenn man bei einer Hypo nicht schwitzt?

Erstmals las man 2000 im British Medical Journal von speziellen Hunden, die als „neuartiges Alarm System“ vorgestellt wurden. Ihre Namen waren Candy, Susie und Natt.

Heute gibt es inzwischen zahlreiche Hundeschulen, wo Hunde ausgebildet werden zu einem Diabetes-Warnhund.

Die Kosten für so einen Diabetes-Warnhund – und die sind mehrere Tausend Euro- werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Die Alternative bei häufigen Unterzuckerungen mit Wahrnehmungsstörung könnte natürlich auch ein Gerät mit einer kontinuierlichen Glukosemessung sein, oft kombiniert mit einer Insulinpumpentherapie. So ein CGM-Gerät ist auch nicht billig, kann aber im begründeten Einzelfall von der Kasse übernommen werden.

Ein Diabetes-Warnhund kann in Frage kommen, wenn man sich sowieso einen Hund zulegen würde, weil man sich dann im Klaren ist, auf was man sich einlassen wird. 🙂

Man sollte sich vorher bestimmte Fragen stellen:

  • Passt ein Hund in mein Alltagsleben hinein?
  • Nehme ich mir Zeit für die tägliche Ausbildung?
  • Habe ich den Nerv, die Turbulenzen mit einem Welpen auf mich zu nehmen?
  • Wo wohne ich: Haus mit Garten oder Etagenwohnung zur Miete?
  • Lässt es Schule oder Beruf zu, täglich mehrmals Sparziergänge zu machen?
  • Will ich überhaupt, dass mich der Diabetes-Warnhund überall hin begleitet? (sonst gibt es keinen Sinn)

Trotz alledem bleibt so ein Diabetes-Warnhund ein eigenständiges Lebewesen und ist nicht wie ein Gerät zu betrachten, was in die Ecke gelegt werden kann, wenn es nicht mehr gebraucht wird. 🙁

Es muss wie jedes andere Haustier versorgt werden: morgens als erstes Gassi gehen, füttern, Zuwendung geben, im Alltagsleben integrieren, Tierarztbesuche etc.

Hypoglykämien – unangenehme Begleiter

Hypoglykämien sollten verhindert werden.

Hypoglykämien sind regelmäßige Begleiter bei Diabetes und sehr unangenehm.

Es gibt keine genaue Definition, ab wann man von einer Unterzuckerung sprechen kann. Jedoch handelt es sich um einen deutlichen Blutzuckerabfall, der sich durch ganz verschiedene Symptome äußern kann. Auf jeden Fall liegt der Blutzucker unter 50 mg/dl.

Die typischen Symptome können je nach Stoffwechseleinstellung aber auch schon bei höheren Blutzuckerwerten verspürt werden. Das ist besonders dann der Fall, wenn der Blutzucker längere Zeit sehr hoch eingestellt war oder die Zuckerkrankheit noch gar nicht erkannt wurde. Der Körper hat sich an die ständig erhöhten Blutzuckerwerte gewöhnt, so dass der Patient die eigentlich normalen Werte als zu niedrig empfindet.

Dabei werden Symptome einer Unterzuckerung ausgelöst. Bei diesen Patienten muss die Diabeteseinstellung sehr vorsichtig begonnen werden, um den Blutzuckerspiegel langsam abzusenken. Dadurch kann sich der Körper allmählich wieder an normale Blutzuckerwerte gewöhnen.

Schwitzen bei Hypoglykämien
Starkes Schwitzen bei einer Unterzuckerung ist nicht selten

Symptome bei Hypoglykämien:

  • Zittern,
  • Schwitzen
  • Heißhunger
  • Seestörungen
  • Verwirrtheit
  • Konzentrationsprobleme
  •  unkontrolliertes Handeln
  • ungewöhnliches Verhalten
  • bei Kindern oft albernes Verhalten
  • Krampfanfälle
  • Bewusstlosigkeit

Manchmal haben auch gesunde Menschen Blutzuckerspiegel um 50 mg/dl. Allerdings funktionieren bei ihnen die normalen Regulationsmechanismen des Stoffwechsels. Der Körper ist in der Lage, den Blutzuckerwert auf diesem Niveau zu halten, und es treten keine extremen Symptome einer Unterzuckerung auf außer vielleicht Heißhungergefühl und zittriges Verhalten. Diese Symptome verschwinden, wenn der Betreffende etwas isst.

Beim Diabetiker sind diese Regulationsmechanismen außer Kraft gesetzt.

Diese Mechanismen sind:

  • Unterbrechung der Insulinfreisetzung aus den Betazellen
  • Freisetzung der Hormone, die den Blutzucker anheben:
    • Glukagon – Gegenspieler vom Insulin
    • Kortison
    • Adrenalin – Stresshormon
    • Wachstumshormone
  • Aktivierung des autonomen Nervensystems, das bedeutet es unterliegt nicht der willentlichen Steuerung

Bei einem zu niedrigem Wert sollte der Diabetiker sofort zu schnellen Kohlenhydraten greifen, wie zum Beispiel Traubenzucker, Apfelsaft.

Kohlenhydrate mit hohem Fettanteil oder Eiweiß können die Aufnahme ins Blut verzögern und der Blutzucker sinkt noch mehr ab.

Unterzuckerungen sind unangenehm

Unterzuckerungen sind sehr unangenehm und deshalb will jeder Diabetiker sie vermeiden.

Unterzuckerungen sind jedem insulinpflichtigen Diabetiker bekannt, aber auch den Typ 2 Diabetikern, die mit oralen Antidiabetika behandelt werden, die zum Typ der Sulfonylharnstoffe gehören. Sulfonylharnstoffe stimulieren die Insulinfreisetzung aus den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse.



Sie treten immer dann auf, wenn das Verhältnis im Blut von Traubenzucker und momentan wirkendem Insulin nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Beim Diabetiker funktionieren diese feinen Regulationsmechanismen nicht, so dass das Verhältnis so optimal wie möglich eingestellt sein muss. Stoffwechselgesunde Menschen können nie in Unterzuckerungen geraten. Sie verspüren höchstens etwas Hunger und werden eine Kleinigkeit essen. Sinkt beim Gesunden der Blutzuckerspiegel ab, drosselt seine Bauchspeicheldrüse automatisch die Insulinausschüttung. Fällt der Blutzucker trotzdem weiter ab, werden die Hormone Adrenalin und  Glukagon ausgeschüttet. Glukagon bewirkt, dass der Traubenzuckerspeicher aus der Leber, das Glykogen ins Blut freigesetzt wird. Später können auch noch Cortisol, Noradrenalin und Wachstumshormon ausgeschüttet werden, besonders wenn der Blutzucker unter 35 mg/dl abfällt.

Was kann jetzt Auslöser von Unterzuckerungen sein?

  • verstärkte körperliche Aktivität

  • zu viel Insulin injiziert, weil die Kohlenhydrataufnahme überschätzt wurde

  • bei Gewichtsabnahme die Insulinmenge nicht reduziert

  • verbesserte Insulinwirkung zum Beispiel im 4. Monat der Schwangerschaft

  • unzureichende Kohlenhydrataufnahme

  • ausgelassene Mahlzeiten

  • Abstand zwischen Insulinbolus und Essensaufnahme war zu lange

  • verbesserte Insulinresorption, zum Beispiel nach einem heißen Bad oder Sonnenbaden

  • wenn die Antidiabetika (Therapie bei Typ 2) wegen einer Konzentrationserhöhung im Blut besser wirken, weil bei gleichzeitig bestehender Nierenschwäche die Medikamente nur unvollständig ausgeschieden werden

Wenn ein Diabetiker Symptome von Unterzuckerungen feststellt, sollte er sofort Gegenmaßnahmen ergreifen. Oft sind es aber auch enge Vertraute wie der Lebenspartner oder die Eltern, die die ersten Frühzeichen erkennen, bevor der Diabetiker selber verspürt, dass er langsam zu unterzuckern droht.

Dann  kommt es oft zu Verhaltensänderungen wie:

  • unkontrolliertes apathisches Handeln

  • andere Atemgeräusche beim Schlafen

  • albernes Verhalten bei Kindern,

    Unterzuckerungen bei Kindern äußern sich oft auch durch albernes Verhalten
  • auftretende Müdigkeit am Tag

Nicht selten reagieren die Diabetiker dann gereizt auf Bemerkungen wie „Mach doch mal einen Blutzuckertest.“ Sie fühlen sich bevormundet und wollen selber bestimmen, ob sie unterzuckert sind oder nicht. Ein ganz typisches Verhalten bei langsam beginnenden Unterzuckerungen, die mit den so typischen Symptomen selber noch gar nicht wahrgenommen wird.


Bei  Blutzuckerwerten unter 60mg/dl sollten mindestens ein bis zwei Broteinheiten schnelle Kohlenhydrate zu sich genommen werden.

· Ein bis zwei Plättchen Traubenzucker (Dextro Energen)

·  Fruchtsaft: 100 ml Apfelsaft oder Orangensaft

· 70 ml Coca Cola

· Gummibärchen, je nach Größe vier bis elf Stück – (Berechnung ganz einfach)

Einem bewusstlosen Diabetiker nie etwas in die Wangentasche legen, da es zu Erstickungsgefahr kommen kann. Lieber den Notarzt rufen, der bei Bewusstlosigkeit auch mal eine Glukoselösung über die Vene spritzen kann.

Nahrungsmittel mit hohem Eiweiß- oder Fettanteil sollten vermieden werden, da Fett und Eiweiß die Resorption verzögern. Daher wird  oft durch Heißhungerattacken die Kohlenhydrataufnahme drastisch überstiegen. Man verspürt immer noch die Unterzuckerung und isst unkontrolliert weiter.

In so einem Fall  ist es sinnvoll, nach drei Stunden seinen Blutzucker erneut zu kontrollieren, um eventuelle Blutzuckerspitzen vorsichtig zu korrigieren.


 

Kohlenhydrate in Nahrungsmitteln

Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen und müssen daher berechnet werden.

Als insulinpflichtiger Diabetiker muss man auf seine Kohlenhydrate achten. Unter dem Begriff „Kohlenhydrate“ fasst man Stärke und Zuckerstoffe zusammen. Stärke besteht aus vielen aneinanderhängenden Traubenzuckerbausteinen. Traubenzucker ist der Baustein, der sofort ins Blut übergeht, der ist besonders wichtig bei einer Unterzuckerung, denn dann soll der niedrige Blutzucker sofort wieder ansteigen.

Es gibt kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel, nach denen der Blutzucker nicht oder kaum ansteigt und nach denen er deutlich ansteigt. Je mehr Fett und Eiweiß und Ballaststoffe ein Nahrungsmittel enthält, umso langsamer werden die Zuckerstoffe vom Darm ins Blut resorbiert. Man spricht auch vom glykämischen Index. Er gibt an, in welchem Ausmaß die Nahrungsmittel den Blutglukosespiegel ansteigen lassen.

Gerade beim Diabetes Typ 2 können Mahlzeiten mit vielen Kohlenhydraten, also mit einem hohen glykämischen Index die Insulinresistenz begünstigen, da es ganz oft im Vorfeld eine Phase der vermehrten Insulinausschüttung gibt. Mahlzeiten mit  hohem glykämischen Index lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen, was eine erhöhte Insulinausschüttung bewirkt.

Reiner Traubenzucker entspricht 100% und gilt als Berechnungsgrundlage, um die anderen Kohlenhydrate zum Vergleich  berechnen zu können, wie ihre Wirksamkeit beim Blutzuckeranstieg sich bemerkbar macht. Ganz einfach ausgedrückt kann man sich merken, dass Obst und Milchprodukte langsamer den Blutglukosespiegel ansteigen lassen als Brot, Kartoffeln und Reis.

90% – 100%:

  • Malzzucker, Honig, Instantreis, Kartoffelpüree, Cornflakes, Cola

    Kohlenhydrate aus Fruchtzucker
    Kohlenhydrate in Obst

50% – 90% :

  • Graubrot, Weißbrot, Knäckebrot, Kräcker,
  • Milchreis, Fertigmüsli, Puddingpulver, Salzkartoffeln
  • Biskuit, Plätzchen, Sandkuchen, Weizenmehl,
  • Bier, ungesüßte Obstsäfte
  • Haferflocken, Haushaltszucker,
  • Pumpernickel, Vollkornbrot

30% – 50%:

  • Milch, Joghurt, Obst, Nudeln, Eiscreme, Schokolade

Gemüse enthalten – außer Kartoffeln und Zuckermais – Kohlenhydrate, die insulinunabhängig verstoffwechselt werden. Sie müssen nicht berechnet werden, wenn sie in normalen Portionsgrößen verzehrt werden. Nüsse müssen auch nicht berechnet werden, obwohl sie Kohlenhydrate enthalten. Der Blutzucker steigt nur unerheblich an, weil sie wegen des hohen Fettgehalts nur langsam verdaut werden.

Aber Vorsicht: sie enthalten sehr viel Kalorien.