Ursachen bei Diabetikern, die eine Hypoglykämie auslösen können

Hypoglykämien sind unangenehm und deshalb will jeder Diabetiker sie vermeiden. Sie treten immer dann auf, wenn das Verhältnis im Blut von Zucker und momentan wirkendem Insulin nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Beim Diabetiker funktionieren die Regulationsmechanismen nicht, so dass das Verhältnis optimal eingestellt sein muss.

Was kann jetzt Auslöser einer Unterzuckerung sein?

  • verstärkte körperliche Aktivität

  • zu viel Insulin injiziert, weil die Kohlenhydrataufnahme überschätzt wurde

  • bei Gewichtsabnahme die Insulinmenge nicht reduziert

  • verbesserte Insulinwirkung zum Beispiel im 4. Monat der Schwangerschaft

  • unzureichende Kohlenhydrataufnahme

  • ausgelassene Mahlzeiten

  • Abstand zwischen Insulinbolus und Essensaufnahme war zu lange

  • verbesserte Insulinresorption, zum Beispiel nach einem heißen Bad oder Sonnenbaden

  • wenn die Diabetikermedikamente ( Therapie bei Typ 2) wegen einer Konzentrationserhöhung im Blut besser wirken, weil bei gleichzeitig bestehender Nierenschwäche die Medikamente nur unvollständig ausgeschieden werden

Wenn ein Diabetiker Symptome einer Unterzuckerung feststellt, sollte er sofort Gegenmaßnahmen ergreifen. Oft sind es aber auch enge Vertraute wie der Lebenspartner oder die Eltern, die die ersten Frühzeichen erkennen, bevor der Diabetiker selber verspürt, dass er unterzuckert ist. Es kommt oft zu Verhaltensänderungen wie unkontrolliertes apathisches Handeln, andere Atemgeräusche beim Schlafen, albernes Verhalten bei Kindern, auftretende Müdigkeit am Tag. Nicht selten reagieren die Diabetiker dann gereizt auf Bemerkungen wie „Mach doch mal einen Blutzuckertest.“ Sie fühlen sich bevormundet und wollen selber bestimmen, ob sie unterzuckert sind oder nicht. Ganz typisches Verhalten bei einer langsam beginnenden Unterzuckerung, die mit typischen Symptomen selber noch gar nicht wahrgenommen wird.

Bei  Blutzuckerwerten unter 60mg/dl sollten mindestens ein bis zwei Broteinheiten schnelle Kohlenhydrate zu sich genommen werden.

  • Ein bis zwei Plättchen Traubenzucker (Dextro Energen)

  • Fruchtsaft: 100 ml Apfelsaft oder Orangensaft

  • 70 ml Coca Cola

  • Gummibärchen, je nach Größe vier bis elf Stück – (Berechnung ganz einfach)

Einem bewusstlosen Diabetiker nie etwas in die Wangentasche legen, da es zu Erstickungsgefahr kommen kann. Lieber den Notarzt rufen, der bei Bewusstlosigkeit auch mal eine Glukoselösung über die Vene spritzen kann.

Nahrungsmittel mit hohem Eiweiß- oder Fettanteil sollten vermieden werden, da Fett und Eiweiß die Resorption verzögern. Oft wird  durch Heißhungerattacken die Kohlenhydrataufnahme drastisch überstiegen. Daher ist es sinnvoll, nach drei Stunden seinen Blutzucker erneut zu kontrollieren, um eventuelle Blutzuckerspitzen vorsichtig zu korrigieren.

Hypoglykämien bei Diabetes


Hypoglykämien, oder wie die Insider auch sagen „Hypos“ sind Unterzuckerungen. Das bedeutet, der Blutzuckerspiegel sinkt unter 50mg/dl. Mit Insidern sind die Diabetiker gemeint, denn gesunde Menschen neigen nicht zu Hypoglykämien. Da kann der Blutzuckerspiegel zwar niedrige Werte aufweisen, doch bei ihnen funktionieren die Regulationsmechanismen des Stoffwechsels. Der Körper ist in der Lage, den Blutzuckerspiegel auf einem bestimmten Niveau zu halten. Beim Diabetiker sind diese Regulationsmechanismen außer Kraft gesetzt,wie zum Beispiel das Freisetzen der Hormone, die den Blutzuckerspiegel wieder anheben, wie  das Glukagon (Gegenspieler vom Insulin) oder die Stresshormone Adrenalin, die Wachstumshormone und Kortison. Bei niedrigen Blutzuckerwerten stoppt die Bauchspeicheldrüse auch die Ausschüttung des Insulins aus den Betazellen, was ja beim Diabetiker, der sein Insulin injiziert hat, nicht möglich ist.

Es gibt zwar keine allgemeingültige Definition, die für alle Diabetiker zutrifft, doch es läuft oft ähnlich ab. Ob ab Blutzuckerwerten unter 60mg/dl oder erst ab unter 50mg/dl zusätzliche schnelle Kohlenhydrate zu sich genommen werden, muss jeder Diabetiker für sich festlegen.

Die Diabetiker verspüren Symptome wie

  • Zittern und Kaltschweißigkeit

  • Heißhunger, oft wird auch zu viel gegessen, wenn zu lange gewartet wird

  • innere Unruhe

  • Überaktivität, bei Kindern auch oft albernes Verhalten

  • Gedächtnisstörungen, es fallen einem einfache Dinge nicht mehr ein

  • Sprach-und Sehstörungen, man sieht Doppelbilder oder alles verschwommen

  • geistige Verlangsamung , plötzliche Müdigkeit

  • Aggressivität, man reagiert gereizt und überempfindlich

  • beschleunigter Pulsschlag (Tachykardie)

  • Desorientiertheit

  • Konzentrationsstörungen, Routineabläufe fallen einem schwer

Diese Symptome sind nicht immer gleichzeitig vorhanden und werden auch unterschiedlich wahrgenommen. Es kommt darauf an, ob der Blutzuckerspiegel rasch absinkt oder langsam. Wenn der Blutzuckerspiegel über längere  Zeit sehr hoch war, was oft bei Diabetes Typ 2 der Fall ist, bevor die Diagnose gestellt wurde, werden  diese Unterzuckerungs-Symptome auch schon bei normalen Blutzuckerwerten wahrgenommen. Dann ist es wichtig, dass die Einstellung zu optimalen Blutzuckerwerten langsam erfolgt. Der Körper hatte sich über längere Zeit bis hin zu Jahren an erhöhte Werte gewöhnt. Von Seiten der Patienten wird oft festgestellt, dass sie sich bei Blutzuckerwerten um die 200mg/dl wohler fühlen und schon bei 120 mg/dl anfangen typische Symptome zu entwickeln.

Bei Neugeborenen gelten niedrigere Werte für eine Hypoglykämie, da kann der Blutzucker bis auf 40mg/dl absinken und bei Frühgeburten sogar bis auf unter 30mg/dl.

Sollten nachts während des Schlafens Unterzuckerungen nicht wahrgenommen werden, so deuten verschieden Anzeichen auf eine Unterzuckerung hin wie durchgeschwitzte Kleidung, Kopfschmerzen am Morgen, Unausgeschlafen sein und Abgeschlagenheit. Man fühlt sich „wie gerädert“ und hat oft keine Erklärung dafür. Sollte das öfter vorkommen, ist es klug sich für einige Tage einen Wecker um 3:00 Uhr zu stellen und einen Blutzuckertest um diese Zeit zu  machen. Erfahrungsgemäß ist zu dieser Zeit der Blutzucker am niedrigsten, weil die Insulinempfindlichkeit dann am höchsten ist. In den Morgenstunden wird wieder mehr Insulin benötigt, daher ist dann mit einer Unterzuckerung seltener zu rechnen.

Ich denke, ich spreche für alle Diabetiker, das Unterzuckerungen nicht als angenehm empfunden werden. Je länger man seinen Diabetes hat, umso unangenehmer werden tiefe Unterzuckerungen wahrgenommen. Problematisch sind natürlich Unterzuckerungen, die in eine Bewusstlosigkeit enden. Es muss nicht extra daraufhin gewiesen werden, was passieren kann, wenn so etwas beim Auto fahren vorkommt oder beim Bedienen von elektrischen Geräten. Jeder Diabetiker wäre begeistert, wäre eine Heilung gefunden, um diese Symptome nicht mehr durchmachen zu müssen.

 


 

 

Eiweiß im Urin – Nierenschädigung?


Jeder Diabetiker fürchtet sich vor den sogenannten Folgeschäden, die die Augen, die Nieren und die Herzkranzgefäße betreffen können. Daher sollte er regelmäßig beim Augenarzt seinen Augenhintergrund untersuchen lassen, die Füße auf Sensibilität überprüfen und den Urin auf eine  Eiweißausscheidung untersuchen lassen.

Normalerweise gelangen nur kleinste Eiweißteilchen (Albumine) in den Urin. Der Urin wird in den Nierenkörperchen aus dem Blut gefiltert. Von diesen Nierenkörperchen  sitzen Millionen in der Nierenrinde. Wenn Eiweiß (Protein) im Urin nachgewiesen wird, spricht man von einer Proteinurie.

Der Nachweis von Eiweiß im Urin, den man mittels eines Teststreifens nachweisen kann, hilft dabei eine diabetesbedingte Nierenschädigung im Frühstadium zu erkennen.

Für den Nachweis dieser kleinen Eiweißmengen sind spezielle Teststreifen als Schnelltest nötig. Es handelt sich dabei um Mengen von 20mg/l bis 200 mg/l. Bei Ausscheidungen von mehr als 30 mg/l spricht man von einer Mikroalbuminurie. Bei Ausscheidungen von mehr als 200 mg/l handelt es sich um eine Makroalbuminurie

Allerdings können Harnwegsinfekte die Werte vorübergehend erhöhen lassen. Daher ist eine Kontrolle nach einigen Wochen sinnvoll. Wenn zwei Tests im Abstand von zwei bis vier Wochen eine Eiweißkonzentration  über 20 mg/l ergeben, ist mit einem diabetischen Nierenschaden zu rechnen. Das Heimtückische daran ist, dass man davon nichts spürt. Daher ist dieser Früherkennungstest bei jeder HbA1c- Kontrolle sinnvoll.

Bei optimaler Blutzuckereinstellung kann man erreichen, dass die kleinen Gefäße an den Nieren, den Augen, den Beinen und am Herzen relativ spät einen Schaden erleiden. Ganz zu vermeiden ist es sicherlich nicht. Ich kenne keinen Diabetiker, der nicht irgendwann einmal höhere Blutzuckerwerte erreicht. Sei es wegen einer Hypoglykämie oder weil die Kohlenhydrate im  Essen außerhalb schwer einzuschätzen war oder letztendlich weil man den Bolus vergessen hat zu geben.

Daher wird für jeden eine Heilung sehnsüchtig erwartet.

Insulin, ein neuer Markt

War vor der Entdeckung des Insulins die Behandlung von Diabetes nur durch viel trinken und kohlenhydratreduziertem Essen möglich, so taten sich mit dem ersten Insulin neue Wege auf.

Permanenten Durst haben, Liter für Liter trinken und genauso viel wieder ausscheiden, das können nur die Diabetiker nachvollziehen, die diese Symptome vor ihrer Diabetes Diagnose selber erlebt haben. Man hat förmlich das Gefühl, auszutrocknen und der Mund klebt beim Sprechen zu, obwohl man die Flasche gerade erst abgesetzt hat. Man ist nicht in der Lage richtig zu reden.

Die ersten Insuline mussten mehrmals gespritzt werden, weil sie nur eine schwache Konzentration hatten, von U5 bis U20. Die wichtigste  Herausforderung anfangs war die bessere Reinigung. Um das Extrakt beim Menschen einsetzen zu können, waren noch viele Reinigungsprozesse notwendig. Seit Anfang Dezember war James Bertram Collip, ein erfahrener kanadischer Biochemiker von der Universität Alberta in Edmonton mit im Team, dessen Arbeit es war, sich um die Reinigung des Insulins zu  kümmern. Er war von Macleod dazu eingeladen worden.

Bei der ersten Veröffentlichung am 30. Dezember 1921 stellten Banting und Macleod die Erfolgserlebnisse mit den Hunden vor. Im Publikum war alles vertreten, was sich in der Welt der Stoffwechselerkrankungen  auskannte und auch führenden Investoren der Zuckerkrankheit. Im Publikum saß auch George H.A. Clowes, ein Forschungsdirektor der Firma Eli Lilly Company. Er erkannte das Potenzial der Forschung und fragte, ob seine Gesellschaft nicht mit den Connaught- Laboratorien, die bis dahin für die Reinigung des Insulins verantwortlich waren, gewerblich zusammenarbeiten könnte?

Wie heute bekannt ist, waren Eli Lilly Company und später die Firma Farbwerke Hoechst in Deutschland die ersten Firmen, die kommerziell Insulin für den Markt hergestellt haben.

1923 kam das erste Insulin in Deutschland mit dem Namen „Insulin Hoechst“ auf den Markt, was aus Kälber- und Rinder-Bauchspeicheldrüsen hergestellt worden war. (Ich kann mich da an eine Besichtigung der Produktionsstätte bei der Firma Hoechst erinnern. Die Verarbeitung der Pankreas hat furchtbar gestunken.) Für den Insulinbedarf eines Diabetikers  waren 50 Bauchspeicheldrüsen notwendig. Deshalb war auch immer die Befürchtung, nicht genügend Insulin herstellen zu können.

1936 entwickelte Hans Christian Hagedorn (1888-1971)  in Dänemark das erste Insulin mit Verzögerung, indem er an das Insulin den Eiweißstoff Protamin anlagerte, so dass das Insulin nun verzögert vom Körper aufgenommen wurde. Jetzt waren nur noch ein bis zwei Injektionen täglich notwendig. Das Insulin wurde NPH- Insulin (Neutrales-Protamin-Hagedorn) genannt. Später verfeinerte man das Verfahren, indem  Zinkionen hinzugefügt wurden.

Ich kann mich an diese Zeit sehr gut erinnern, doch die wenigen Injektionen waren nicht unbedingt ein Vorteil, wie man später sah, als man wieder zu mehrmaligen schnell wirkenden Injektionen überging. Man war gezwungen, nach der Insulinwirkung sein Essverhalten einzustellen. Ob man Hunger hatte oder nicht, wenn die größte Insulinwirkung im Blut war, musste man was essen.

1940 gelang es der Firma Hoechst nach langen Forschungen eine neue Art der Verzögerung herzustellen. Bis dahin waren die Verzögerungsinsuline eine Suspension, die vor dem Aufziehen gut gerollt werden mussten. Passierte das Mischen nicht ausreichend, so gab es Dosierungsungenauigkeiten. Hoechst entwickelte das erste Surfen-Insulin, eine klare Lösung als Depotinsulin.

1955 beschrieb Frederick Sanger (1918-1982) den chemischen Aufbau  des Insulins, die Voraussetzung für die Entwicklung des synthetischen Insulins. Er bekam dafür 1958 den Chemienobelpreis.

1963 gelang dann die Insulinsynthese. In den 80er Jahren entwickelte sich das erste Humaninsulin, 1996 kam das erste kurz wirkende Insulin Lispro auf den Markt und 2000 wurde das erste langwirkende Insulin Analogon eingeführt.

Ich persönlich kenne aus eigener Erfahrung die Therapie mit einer Injektion Komb-Insulin, wo man gegen Ende der Insulinwirkung keine Kohlenhydrate mehr zu sich nahm,  die Zwei-Spritzen-Therapie, die später in die Intensivierte Spritzentherapie (ICT) überging bis hin zur Pumpentherapie (CSII). Es wurde immer mehr verfeinert und mit jeder Injektion gewann man ein Stück mehr Lebensqualität und Freiheit wieder. Das war zu Anfang nicht ganz einleuchtend, wo man versucht hatte, den Patienten mit nur wenigen Stichen belasten zu wollen. Aber auch die Kanülen wurden im Laufe der Jahre feiner und schmerzfreier.

Es ist verständlich, dass schon damals die Firma Lilly das riesige Potential erkannt hat. Was wäre gewesen, wenn die ganze Konzentration nicht nur auf die Entwicklung von besseren Insulinarten gerichtet wesen wäre?

Banting hatte festgestellt, dass die Zellen, aus denen man das Extrakt für die Behandlung der Zuckerkrankheit gewonnen hatte, nach wochenlangem Abbinden viel intakter waren als der Rest der Bauchspeicheldrüse. Er vermutete, dass diese Zellen einen eigenen Schutz hatten.

 


Erste Gewissenskonflikte in der Insulingewinnung

Als es Frederick Banting und Charles Best zum ersten Mal gelang, die Hündin Susy mit dem neu gewonnenen Extrakt zu retten, war ihnen klar, das war erst der Anfang.

Frederick, der auf dem Lande groß geworden war, fiel es schwer, den Hunden, denen er die Bauchspeicheldrüse entfernt hatte, mit einer Überdosis Chloroform das Leben nehmen zu müssen. Er hasste diesen unvermeidlichen Schritt und nur der Gedanke, dass er in Zukunft eventuell Millionen von Menschen dadurch helfen konnte, ließ dem Töten einen Sinn geben. Bei mehreren Hunden mussten sie die Bauchspeicheldrüse abbinden, um das Sekret aus den Langerhansschen Inseln zu gewinnen, was  einen einzigen Hund mit Diabetes behandeln konnte. Das konnte auf Dauer nicht so weiter gehen. Und sie überlegten, wie sie an mehr Sekret kommen konnten. Sie gaben diesem Sekret als erstes den Namen „Isletin“, weil es aus den „Isles of Langerhans“, den Langerhansschen Inseln  kam.

„Isletin“  konnte  allen Menschen mit Diabetes, die bis dahin zum Tode verurteilt waren, das Leben retten. Aber so viele Hunde könnten nicht geopfert werden, um alle Menschen zu retten. Wer sollte entscheiden, wer das rettende Sekret erhält?

Zuerst wollten Banting und Best sicherstellen, dass Susy kein Einzelfall war. Sie gaben „Isletin“ auch Hunden, denen sie zuvor große Mengen an Zuckergegeben hatten, um den Blutzuckerspiegel drastisch zu erhöhen. Und auch dort funktionierte ihre Therapie.

Banting und Best entwickelten eine Methode, schneller an das „Isletin“ zu kommen, indem sie die Bauchspeicheldrüse anregten, Verdauungssäfte zu produzieren, die sie allerdings in einem Glasröhrchen, das im Pankreaskanal lag, auffingen. Somit ersparten sie sich viele Wochen Wartezeit, bis der entsprechende Teil der Drüse, der die Verdauungssäfte produziert, abgestorben war. Aber es musste noch eine andere Methode geben, denn es wurden  zu viele Hunde geopfert.

Banting erinnerte sich an seine Jugendzeit auf der Farm. Sein Vater ließ ältere Kühe, die zum Schlachten bestimmt waren, vorher noch einmal decken, weil sie dann mehr fraßen und dicker wurden. Die Bauchspeicheldrüse eines Vieh-Fötus war  größer und enzymfrei. Also setzten sie sich mit einem Schlachthof in Verbindung, der ihnen die Bauchspeicheldrüsen der Föten von den geschlachteten, trächtigen Kühen gab. Daraus konnten sie größere Mengen an „Isletin“ gewinnen.

Als die beiden jungen Forscher von ihren Erfolgen Macleod berichteten, hätten sie erwartet, dass er begeistert sei über so eine Entdeckung, die Rettung der Menschheit. Dieser gab allerdings nur zu verstehen, dass ihre Beweise gründlich zu überprüfen wären. Ein typisches Verhalten von Neid und Eifersucht den beiden Erfindern  gegenüber, die in der Welt der damaligen Medizin nicht auf dem gleichem akademischen Grad standen.

Frederick Bantings Hartnäckigkeit war für viele die Rettung – Teil 2

Während Frederick Banting als junger Arzt nach Toronto fuhr, um bei Dr. Macleod nach einem geeigneten Laborplatz für seine Forschung zu fragen, kamen ihm die ersten Bedenken. Wie sollte er als ein Niemand dem großen Macleod, der scheinbar alles über Diabetes zu wissen schien, klarmachen, was er vorhatte? Macleod war ihm an Erfahrung und akademischem Rang weit voraus, hatte an den Universitäten Aberdeen in Schottland und Cambridge in England promoviert und war jahrelang Mitglied der medizinischen Fakultät der Universitäten Berlin und Leipzig gewesen. Er war Autor vieler Bücher.

Seine Bedenken bestätigten sich. Macleod  schickte ihn wieder heim, denn es war ihm klar, dass es mehr bedarf als ein paar Hunde und sein Labor für einige Versuche. Er hatte Banting so gezielt Fragen gestellt, die ihm eindeutig klarmachten, wie wenige Erfahrungen er auf dem Gebiet des Diabetes hatte. Es war erniedrigend für Banting. Scheinbar wollte Macleod ihn nicht verstehen. Doch es interessierte Banting nicht im Geringsten, wie viele erfahrene Wissenschaftler auf dem Gebiet ohne Erfolg bereits geforscht hatten. Sie  waren  sich ja nicht einmal sicher, ob ein Hormon existieren würde. Banting war sich dessen sicher und wollte beweisen, dass er es sogar isolieren kann, um es zu nutzen. Aber alle Argumente verfehlten seine Wirkung, Macleod schickte ihn wieder heim.

Frederick Banting gab nicht auf. Er und seine Kollegen glaubten an sein Vorhaben. Banting überlegte sogar, an anderen Universitäten vorzusprechen, doch er wollte unbedingt in Kanada bleiben. So unternahm er einen zweiten Versuch bei Macleod und sogar einen dritten, als er hörte, dass Macleod eine längere Reise in seine Heimat Schottland plante. In dieser Zeit wollte er das Labor benutzen. Obwohl er wusste, wie demütigend und erniedrigend es sein würde, erneut vorzusprechen, begab er sich in die Höhle des Löwen. Er wurde wieder mit einem „Lassen Sie es bleiben und stören mich nicht schon wieder“ abgespeist.  Jetzt riss Banting der Geduldsfaden und er schrie Macleod an, dass es ihm völlig egal sei, wie viele vor ihm an diesem Projekt gearbeitet hatten und wie gut diese Wissenschaftler geschult waren. Er war fest davon überzeugt, es zu schaffen und erklärte ihm noch einmal seine Vorgehensweise. Macleod stimmte endlich nur zu, um beweisen zu können, dass es dieses Sekret nicht geben würde. Das wäre nach seinen Vorstellungen für die Physiologie von größtem Wert gewesen und er hätte sich endlich wieder wichtigeren Dingen widmen können.

Man kann es sich überhaupt nicht vorstellen, was im Kopf von Banting vorging, der fest davon überzeugt war, in den Langerhansschen Inseln ein Sekret vorzufinden, was das „anti diabetische Hormon“ sein sollte. Und jetzt wünschte man ihm einen Fehlschlag? Unfassbar.

Banting bekam für einige Wochen das Labor, zehn Hunde und zwei freiwillig gemeldete Studenten zur Unterstützung, von denen einer allerdings beschloss, während der Ferien nicht zu arbeiten, nachdem er von Bantings Plänen gehört hatte. So blieb nur noch Charles H. Best übrig.

Wie wäre es ausgegangen, wenn dieser so erfahrene Arzt mit seinen Vermutungen Recht behalten hätte und Banting sich hätte abwimmeln lassen? Ich mag es mir lieber nicht vorstellen.

Seit 90 Jahren spritzen Diabetiker weltweit das entdeckte Insulin von Banting und Best und sind dadurch in der Lage, ein fast normales Leben zu führen. Und wie bei jeder großen Entdeckung ist man hinterher immer schlauer. Denn genau dieser Macleod schmückte sich später mit den Lorbeeren und hielt Vorträge über Insulin, das man hätte annehmen können, er wäre einer der Erfinder gewesen.

In letzter Zeit liest man wieder von neuen Möglichkeiten der Heilung und wieder schreien die großen Diabetologen, dass es unmöglich sei, weil sie noch nie davon gehört haben. Aber Hartnäckigkeit zahlt sich immer aus und könnte für viele ein Segen sein.

Die JDRF veröffentlichte einen Artikel, dass sich die Betazellen erneuern können. Bis zu diesem Zeitpunkt war in allen Medizinbüchern geschrieben, dass bei Ausbruch des Diabetes diese Betazellen irreversibel zerstört seien. Nun scheint ein Umdenken notwendig zu sein.

Frederick Bantings Hartnäckigkeit war für viele die Rettung

In einer meiner letzten Blogs berichtete ich über die Entdeckung des Insulins durch Frederick Banting und Charles Best vor 90 Jahren.

Man spricht so leichtfertig darüber, dass sie nach einigen Fehlversuchen das Insulin entdeckt hatten. Aber eigentlich  hing es  an einem seidenen Faden und war von vielen Zufällen abhängig, und letztendlich haben wir es der Hartnäckigkeit von Frederick Banting  zu verdanken, dass es überhaupt zu diesen Forschungen kam.

Was wohl die wenigsten Menschen wissen, ist die Tatsache, dass Frederick Banting besessen war von der Idee, ein Heilmittel gegen die damals tödlich verlaufende Krankheit Diabetes zu finden. Er hatte als Jugendlicher miterleben müssen, wie eine Schulfreundin am nicht behandelbaren Diabetes sterben musste. Einen grauenvollen Tod erlitten die Patienten, nachdem sie völlig abgemagert waren und ins Koma fielen. Angehörig mussten daneben stehen und zusehen, wie man nichts tun konnte. So erging es allen Diabetikern vor 1921, bevor Banting und Best das Insulin entdeckten.

Banting  war der Meinung und es war sein Entschluss, selber zu forschen und nicht nur das bereits bekannte Wissen der Medizin  einfach nur umzusetzen. Er wollte nicht nur die Erfindungen anderer Forscher blindlings anwenden.

Eigentlich wollte Frederick Banting Chirurg werden, war aber der Meinung,  vor Eröffnung seiner eigenen Praxis sollte er noch unbedingt auf einem völlig anderen Gebiet forschen. Er entschied sich für den Diabetes, weil ihm das Versterben seiner damaligen Freundin nicht losließ.

Wegen extremen Geldmangels nahm er einen Lehrplatz an der Universität an. Er sollte Studenten im dritten Semester in Physiologie unterrichten. Zum Glück hatte sich niemand anderes beworben, so dass er die Stelle bekam. Es war sein Naturell, sich für den Unterricht optimal vorzubereiten. 1920  wusste man nicht sehr viel über die Funktion der Bauchspeicheldrüse, diesem länglichen Organ, das hinter dem Magen und vor der Wirbelsäule liegt und drei Sekrete namens Lipase, Trypsin und Diastase ausscheidet. Man wusste auch schon, dass dieses Organ den Zuckerhaushalt regelt. Denn bei Tieren, denen man die Bauchspeicheldrüse entfernt hatte, entwickelte sich der Diabetes.

Die damaligen medizinischen  Kapazitäten auf dem Gebiet des Diabetes, heute würde man sie Diabetologen nennen, waren in ihren Bemühungen um Heilung nicht sehr weit gekommen. Es war wieder ein Zufall, dass Frederick Banting in einer Fachzeitschrift  einen Artikel von Dr. Moses Barron las. Auch er beschrieb, wenn Gallensteine die kleinen Kanäle blockierten, die vom Pankreas zum Zwölffingerdarm führten, dass sich das Organ selber verdaut. Er wollte von so einem atrophierten Pankreas aus den noch unbeschädigten Langerhansschen Inseln das Sekret extrahieren, was nach seiner Meinung das „anti diabetische Prinzip“ sei. Wenn die Verdauungssäfte die Langerhansschen Inseln nicht mehr verdauen könnten, so könnte er dieses anti diabetische Hormon nachweisen.

Jetzt musste nur noch ein passendes Labor gefunden werden. Das Labor seines Chefs der Physiologieabteilung Professor Dr. Frederick R. Miller war eindeutig zu klein. Er schrieb an seinen Freund, den damals berühmten Physiologen Dr. J.J.R. Macleod aus Toronto, eine Empfehlung. Er war zu dieser Zeit auf dem Gebiet des Diabetes und des Kohlenhydrat-Stoffwechsels eine Kapazität. Banting bekam seinen Vorstellungstermin und reiste nach Toronto.

 

Fortsetzung folgt