Diabetes Typ 1 bei Kindern

In Deutschland leben 200.000 bis 300.000 Menschen, die an Diabetes Typ 1 leiden, darunter sind ca. 25.000 Kinder und Jugendliche betroffen.

Diabetes Typ 1 ist die seltenere Form der Diabetes Epidemie.

Kinder und Jugendliche, die täglich mehrmals Insulin spritzen müssen und vorher einen Blutzuckertest durchzuführen haben, um ihre genaue Insulinmenge zu berechnen. Und gemeint sind nicht die immer häufiger übergewichtigen Kinder, die im Laufe der Zeit eine Insulinresistenz bilden und den Diabetes Typ 2 entwickeln.

Die Rede ist von Diabetes Typ 1, einer Autoimmunerkrankung, wo der eigene Körper gegen sich Antikörper entwickelt und die Betazellen zerstört. Der Diabetes bricht aus und wird therapiebedürftig, wenn 80% des Inselzellgewebes bereits zerstört sind. So kann man es immer noch überall lesen. Wahrscheinlich ist aber nur ein geringer Teil der Betazellen defekt, was den Ausbruch der Krankheit Diabetes Typ 1 zur Folge hat.

Diabetes Typ 1 bei kleinen KindernBesonders tragisch ist es, wenn bei kleineren Kindern im Alter von zwei  bis drei Jahren der Diabetes Typ 1  diagnostiziert wird. Diese Kinder können noch nicht selbständig ihren Blutzucker testen und auch noch nicht ihr Insulin spritzen, das wird von den Eltern übernommen.

Aber Mitleid ist hier nicht angesagt, denn im Grunde werden die Kinder damit groß und kennen es nicht anders und nur für einen Außenstehenden klingt es immer tragisch.

Ich rede da aus eigener Erfahrung, denn ich war elf Jahre, als bei mir der Diabetes Typ 1 diagnostiziert wurde. Allerdings in einer Zeit, die man sich heute nicht mehr vorstellen kann. In den 70er Jahren gab es wenige typische Diabetiker Produkte, die zwar furchtbar schmeckten, aber ein Ersatz für Süßigkeiten waren. Inzwischen sind diese Produkte zum Glück vom Markt genommen worden.

Heute ist jeder Diabetiker in der Situation, dass er sofort in wenigen Sekunden seinen Blutzucker selber bestimmen kann. 1972 war man weit davon entfernt, ein eigenes Blutzuckermessgerät zu haben. Auch die individuelle Insulinanpassung gab es noch nicht und man hatte einen strengen Diätplan einzuhalten.

Man stelle sich folgende Situation vor:

Morgens um 6:45Uhr klingelt der Wecker. Ein elfjähriges Mädchen steht auf und macht sich fertig für die Schule. Sie muss allerdings an mehr denken, als nur sich zu waschen und anzuziehen. Ein morgendliches Ritual, was inzwischen zur Gewohnheit geworden ist. Wenn andere einfach auf die Toilette gehen, muss sie ihren Urin in einem Glas auffangen. Mit einer Pipette wird sie nun einige Tropfen Urin mit Wasser verdünnt in ein Reagenzglas geben. Das Mischverhältnis muss genau eingehalten werden, weil sonst das Ergebnis verfälscht ist. Nun wirft das Mädchen eine Tablette hinein, die in einem luftdicht verpackten Röhrchen aufgehoben wird. Es beginnt ein fürchterliches Schäumen in dem Reagenzglas. Nach einigen Sekunden hat sich die Flüssigkeit verfärbt: gelb bis orange oder grün bis ins dunkelblau gehend sieht die Flüssigkeit nun aus und wird mit einer Farbskalar auf dem Tablettenröhrchen verglichen. Das Mädchen weiß nun, wie viel Zucker es mit ihrem Urin über Nacht ausgeschieden hat. Waren es 1% oder 5% oder zeigt die Farbskalar an, dass alles negativ ist? Danach wird das lebenswichtige Insulin aufgezogen. Vorsichtig mit einer Pinzette hantierend setzt sie den Glaszylinder und den Kolben zusammen und setzt eine Nadel auf. Aus einer kleinen 10 ml-Flasche zieht sie ein trübe Flüssigkeit auf, die sie vorher in ihren Händen durch rollen gemischt hatte. Auf der Spritze sind kleine und größere Striche eingezeichnet. Jeder kleine Strich bedeutet, dass vier internationale Einheiten von der Flüssigkeit in die Spritze aufgezogen wurden. Die Menge ist genauso berechnet, dass sich nun der Blutzuckerspiegel des Mädchens für den ganzen Tag  im normalen Bereich befindet, vorausgesetzt  sie hält sich an die Diätvorschriften und bewegt  sich nicht außergewöhnlich mehr. Eine ¾ Stunde später kann das Mädchen frühstücken. So lange braucht das Insulin, um seine optimale Wirkung entfalten zu können.

 

Wenn man das heute einem Kind im Alter von fünf bis zehn Jahren vorliest, bei dem der Diabetes Typ 1 diagnostiziert worden ist, wird es das nicht verstehen können, so wie die Kinder von heute auch fast schon keinen Walkman mehr kennen. 😉

Trotzdem wünscht sich jeder, dass diese Krankheit mal geheilt werden kann. Und ab und zu liest man ja auch von irgendwelchen bahnbrechenden Erfindungen, die an Mäusen ausprobiert wurden und  dann in ferner Zukunft mal auch für Menschen möglich sein könnten.

Jedoch sagte man mir schon vor 30 Jahren, dass es demnächst bahnbrechende Veränderungen geben wird. Und was man feststellen kann, sind neue noch schnellere Messgeräte, genauere Blutzuckerüberwachungen und leichtere digitale Übertragungen und Dokumentationen. Alles sind nette Dinge, die den Diabetes verwalten und managen. Doch es bleibt nach wie vor bei der Behandlung von Diabetes Typ 1, von Heilung ist man meilenweit entfernt.

Wenn man dann liest, wo die Millionen von Forschungsgeldern hingehen, könnte man weinen.

Heilung bei Diabetes

Heilung bei Diabetes scheint nicht gewollt zu sein.

Als vor mehr als 90 Jahren Frederick Banting und Charles Best das Insulin entdeckten, war es ein Segen für die damals an  Diabetes erkrankten Patienten, die vorher dem Tod geweiht waren.

Heilung bei Diabetes wäre der Traum aller insulinpflichtigen Diabetiker.

Es ist eine spannende Geschichte, wenn man die Biographie von Frederick Banting liest. Er behandelte am 10. Juli 1922 nach anfänglichem Zögern auf das intensive Drängen der Eltern einen fünfjährigen Jungen, der zu diesem Zeitpunkt auf 12,5 kg abgemagert war: Theodor Ryder war der erste Patient, der mit Insulin behandelt wurde.

Aber was hat sich in den letzten 90 Jahren wirklich getan? Geforscht wird ja genug.
Nun, wir dürfen nicht undankbar sein. Es gibt neue Insuline, die Spritzen haben sich verfeinert und die Dosierungen  wurden präziser. Auch gibt es inzwischen unzählige Blutzuckermessgeräte, die in Bruchteilen von Sekunden das Ergebnis preisgeben. Mein erstes Blutzuckermessgerät hat über zwei Minuten gedauert und ich musste förmlich bei meiner Krankenkasse um eine Kostenübernahme betteln. Heute bekommen wir sie nachgeschmissen, weil jeder mit den Teststreifen das große Geld verdient.

Die Therapieformen haben sich stark verbessert, weil neue Insulinarten entdeckt wurden. Zinkverzögerte Insuline, die NPH-Insuline, Humaninsulin und Insulinanaloga.

Anfang der 80er Jahre sprach man von  der Basis-Bolus-Therapie, der ICT. Inzwischen bekommen viel Patienten die Insulinpumpe, die einem nahezu ein normales Leben verspricht. Und die Pumpe wird uns als Krönung der Therapieformen verkauft.

Eine tatsächliche Heilung  wäre die bessere Alternative

Die Therapien haben sich verändert, weil mit jeder neuen Form gut verdient wird. Aktuell ist die kontinuierliche Glukoseüberwachung das Spitzenhäubchen, wird aber nicht von den Kassen übernommen.

Aber wie sieht es mit Heilung bei Diabetes aus? Immer wieder liest man von Entdeckungen, die uns Diabetiker aufhorchen lassen. Vor 30 Jahren wurde mir schon erzählt, dass ich froh sein kann, Insulin spritzen zu dürfen, aber in den nächsten fünf Jahren würde man den Durchbruch in  der Heilung bei Diabetes gefunden haben.

Und das hört man bei jeder neuen Veröffentlichung, die dann so klingt wie „Das könnte in den nächsten Jahren eine großartige Perspektive für viele Millionen von insulinpflichtigen Diabetikern sein” oder wenn irgendwelche Mäuse Diabetes frei wurden “Solche Erfolgsmeldungen lassen hoffen, dass Diabetes eines Tages auch bei Menschen heilbar wird”

Und wenn wir nicht gestorben sind, dann warten wir morgen noch auf eine Heilung bei Diabetes.

Wo aber landen die vielen Geldbeträge, die die Forschungszentren

Heilung bei diabetes-Geld wird anders ausgegeben
Mit Diabetes wird Geld verdient

bekommen? Was machen sie mit unseren Spendengeldern? Jeder Diabetiker, der größeren Institutionen Geld spendet, geht doch davon aus, dass sein Beitrag zur Heilung bei Diabetes unterstützend sein wird.

Sehen wir uns doch mal die Homepage der größten  Forschungsinstitutionen an:

Da wäre zum einen mal die JDRF, Juvenile Diabetes Research Foundation:

sie hat sich als Ziel gesetzt, das Leben der Diabetiker so angenehm wie möglich zu machen und wollen eine Welt frei von  Diabetes erreichen.

“JDRF is the leader of the type 1 diabetes (T1D) community—unifying global efforts to cure, treat, and prevent T1D. Through a transformative vision, breakthrough innovations, and effective operations, JDRF is working to remove the impact of T1D from people’s lives until we achieve a world without T1D.”

Dann gibt es die DRIF Diabetes Research Institute Foundation.

Sie schmückt sich mit dem Untertitel „The Best Hope for a Cure“ und veröffentlicht auf ihrer Homepage eine Botschaft, die einem ans Herz geht:

“If you or someone you love has diabetes, then you know that diabetes is a devastating disease that causes so much pain and suffering. You know that diabetes robs children of the freedom and innocence of childhood; that it takes lives prematurely; and that patients worry about their future as they try to manage diabetes every minute of every day. The one thing you dream about: a cure for diabetes.”

Die dritte Institution ist die ADA, American Diabetes Association.

Auf deren Homepage wird man gleich als erstes oben rechts in der Ecke mit der Aufforderung einer Spende begrüßt.

„Ihre Spende wird uns helfen, Leben zu retten und die Suche weiterhin auf Heilung zu unterstützen, so dass wir eines Tages frei sein werden von dieser Krankheit und ihren Belastungen.“

Wenn das nicht gut klingt und jeder bereit ist, es sofort zu unterstützen. Ja es besteht sogar die Möglichkeit eines Dauerauftrages von monatlichen Spenden einzurichten. Jeder Geht davon aus, dass sein Geld dazu beiträgt, wirklich Heilung dieser chronischen Krankheit zu erreichen

Last but not least gibt es dann noch Joslin, das Joslin Diabetes Center.

Sie blicken auf eine mehr als ein Jahrhundert alte Tradition in der Diabetes Behandlung.

„Since its inception in 1898, the primary mission of the Joslin Diabetes Center has been to care for people with diabetes, and conduct research to provide new knowledge about diabetes and its complications that will lead to new treatments, prevention and/or cure of these disorders.“

Man hat die Forschungsbemühungen von diesen vier größten Institutionen untersucht. Es kommen einem die Tränen, wenn man sich die Zahlen genauer ansieht.Die Juvenile Diabetes Cure Alliance gab im Mai 2013 einen Bericht heraus, wie viel oder besser gesagt wie wenig Geld im Grunde für Heilung bei Diabetes ausgegeben wird.

Jetzt kann man denken, dass das ja nur für amerikanische Verhältnisse zutrifft. Dann sehen Sie mal auf die Seite von Diabetes-Kids.de

„Juvenile Diabetes Research Foundation in Deutschland e.V.

JDRF — DER HEILUNG GEWIDMET Gegründet wurde die Juvenile Diabetes Research Foundation (JDRF) 1970 in den USA. Die Gründer waren Eltern, … Das erklärte Ziel der Juvenile Diabetes Foschungsstiftung ist die Heilung von Typ-1-Diabetes. Seit ihrer Gründung hat die JDRF mehr als 1,4 Milliarden US$ zur zielgerichteten Diabetesforschung eingesetzt. 2007 finanzierte die JDRF über 700 Stipendien über 20 Ländern. Die Forschung in Deutschland fördert die JDRF aktuell mit mehr als 3 Millionen US$. Die JDRF gibt es in Australien… und jetzt auch in Deutschland.“

Und wenn man dann liest, dass JDRF und Sanofi-aventis eine strategische Partnerschaft im Bereich Typ 1 Diabetes vereinbart haben, kann man dann glauben, dass es da wirklich um Heilung bei Diabetes gehen kann? Die werden doch nicht die Kuh schlachten, die sie noch über Jahrhunderte gut melken können?

Bei der ADA, wo man gleich zum Spenden aufgefordert wird, sind 2012 von den 200 Millionen $ nur lächerliche 2% für perfekte Heilung ausgegeben worden, 1 % für Prävention, 3 % für Komplikationen, 1 % für die Glukose Überwachung, 10 % für Forschung bei Diabetes Typ 2 und ganze 83% für administrative Zwecke.

Das prozentuale Verhältnis bei den anderen vier Institutionen sah nicht viel anders aus. JDRF gab fast die Hälfte für administrative Zwecke aus, Joslin sogar 63% und bei der DRIF waren es „nur“ 35%.

Anders formuliert wird sich darum gekümmert, wie die Therapie optimiert werden kann, aber niemals ist eine Heilung bei Diabetes in Aussicht. Man lässt die Diabetiker in dem Glauben, dass sich was tut, indem man immer wieder spektakuläre Veröffentlichungen publiziert.

Für mich sieht das aus wie eine Veruntreuung unserer Gelder, denn das war mit Sicherheit nicht im Sinne der Spender.

Diabetes Forschungszentrum erhält 20 Millionen Euro

Diabetes ist eine Volkskrankheit, an der inzwischen Millionen von Menschen leiden, auch immer mehr Kinder und Jugendliche sind betroffen.

Im Jahre 1921 entdeckten Frederick Banting und Charles Best das Insulin. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Typ 1 Diabetiker zum Tode verurteilt. Frederick Banting war besessen von der Idee, ein Heilmittel gegen die damals tödlich verlaufende Krankheit Diabetes zu finden. Er hatte als Jugendlicher miterleben müssen, wie eine Schulfreundin am nicht behandelbaren Diabetes sterben musste. Und nur seiner Hartnäckigkeit haben es die heutigen insulinpflichtigen Diabetiker zu verdanken, dass sie seit damals nicht mehr sterben müssen.

Was für eine Errungenschaft, wenn man bedenkt, mit welchen primitiven Mitteln und zu welcher Zeit den beiden Forschern dieser Erfolg geglückt ist. Und was passiert heute, wo die Möglichkeiten viel mehr und besser geworden sind?

Der Diabetes ist seit dieser Zeit aber nicht weniger geworden. Millionen werden für Forschung ausgegeben ob in Richtung Stammzellenforschung oder Therapieoptimierung.

Jeder Mensch, bei dem irgendwann die Diagnose Diabetes Typ 1 diagnostiziert wird, bekommt auch sofort mit auf den Weg, dass er ein Leben lang vom Insulin abhängig ist. Am besten findet man sich damit ab, denn heilbar ist der Diabetes nicht. „Mit viel Disziplin und Akzeptanz dieser chronischen Krankheit kann man ein fast normales Leben führen“ kann man immer wieder lesen und hören. „Ich komme sehr gut zurecht mit meinem Diabetes“ liest man in Foren, wo sich die Diabetiker gegenseitig die besten Tipps geben, wie man was am besten bewerkstelligt.

Ich bin gestern in einem Forum über eine interessante These gestolpert. Diese Dame hatte scheinbar den gleichen Gedanken, der auch mir immer wieder durch den Kopf geht.

Will man überhaupt eine Heilung  oder ist eine Optimierung der Therapie viel effektiver für die Industrie?

Im Video spricht auch Matthias Steiner, Olympiasieger 2008 im Gewichtheben  und selber Diabetiker, dass eine kontinuierliche Blutzuckermessung eventuell über eine App am Handy abzulesen, sein großer Traum sei. Das vermarktet sich natürlich super, denn Matthias Steiner tritt auch bei Veranstaltungen für die Firma Accu Chek auf.

Ich glaube, dass eine Heilung vom Diabetes ein viel größerer Traum ist, man aber nicht darüber nachdenkt, weil man sonst irre wird.

Wir als die Patienten können nur abwarten und werden immer mal wieder mit einem Hoffnungsschimmer abgespeist, indem wir irgendwelche Fortschritte von Studien lesen oder Veröffentlichungen über regenerierbare Betazellen von der JDRF. Seit dieser Veröffentlichung muss jedem klar sein, dass Heilung möglich ist, wenn sich die Zellen regenerieren können. Jetzt geht es darum den Prozess der ständigen erneuten Selbstzerstörung aufzuhalten.

 

 

 

Diabetiker und ihre Lebenserwartung

Diabetiker, die an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankt sind, sind nach jetziger öffentlicher Meinung nicht heilbar aber mit einer konsequenten Behandlung ist es möglich, die Lebenserwartung und die Lebensqualität zu verbessern.

Jeder Diabetiker weiß, dass das Auftreten von Folgeerkrankungen davon abhängig ist, wie gut die Blutzuckereinstellung ist. Mit dem Langzeitwert, dem HbA1c-Wert ist eine Stoffwechselkontrolle über die letzten 8-12 Wochen möglich. Dieser Wert sollte so  optimal wie möglich im Bereich eines Stoffwechselgesunden sein.

Jedem Diabetiker ist es aber nicht möglich, immer im normoglykämischen Bereich sich zu bewegen, sei es durch Unterschätzung oder Überschätzung der Kohlenhydrate im Essen oder durch Blutzuckeranstiege wegen Infektionen oder Stress, wegen Katheterproblemen bei der Pumpentherapie oder durch das Vergessen der Insulininjektion etc. Gründe für einen höheren Blutzuckerspiegel gibt es genug. Der Diabetiker ist kein technisches Gerät, was man programmiert und wo man sagen kann, wenn so viel an Insulin injiziert wird und so viel an Kohlenhydraten gegessen wird, dann kommt am Schluss ein optimaler Blutzucker heraus. Primär ist auch ein Diabetiker erst einmal Mensch mit allen Schwächen und Belastungen wie jeder stoffwechselgesunde Mensch.

Diabetiker werden von Diabetologen betreut

Folgeerkrankungen wie Nervenschädigungen(Diabetische Neuropathie), Augenveränderungen (Diabetische Retinopathie), Nierenerkrankungen (Diabetische Nephropathie), Durchblutungsprobleme an den  größeren Blutgefäßen (Makroangiopathie) oder Gefäßverkalkungen ( Arteriosklerose) müssen vermieden werden. Auch akute Komplikationen wie eine Ketoazidose oder starke Hypoglykämien sollte man vermeiden. Diabetes ist ferner eine Hauptursache für Herzgefäßkrankheiten und Impotenz.

Trotzdem liest man, dass die durchschnittliche Lebenserwartung eines Typ-1-Diabetiker- Patienten 15 Jahre geringer ist  als die der allgemeinen Bevölkerung. Allerdings ist aufgrund stetig verbesserter Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahrzehnten die Lebenserwartung deutlich gestiegen. Mittlerweile liegt sie fast auf dem Niveau der Allgemeinbevölkerung.

Je mehr die  Blutzuckereinstellung auf fast normalen Werten gehalten wird, umso weniger treten Komplikationen auf. Das Risiko, an Diabetes abhängigen Augenkrankheiten zu leiden, sinkt um bis zu 76 Prozent, bei Nervenkrankheiten um bis zu 60 Prozent und bei Nierenkomplikationen reduziert es sich um  56 Prozent, wenn der Blutzucker im Normbereich liegt. Es lohnt sich also allemal, eine gute Stoffwechsellage anzustreben.

Die Lebenszeit und die Lebensqualität sinken entsprechend mit schlechter Stoffwechsellage oder bei zu spät begonnener Therapie bei Diabetes Typ 2.

Schlagzeilen von Verbesserungen liest man viel. Sei es, dass es um die künstliche Bauspeicheldrüse geht, die einem für kurze Zeit den Diabetes vergessen lässt (Artificial pancreas gives girl a vacation from diabetes – CNN.com) oder man hat bei Mäusen eine neue Heilungsmethode entdeckt ( Another mouse cure- this time at the University of Colorado) oder es gibt ein Interview mit Frau Dr. Denise Faustman, die seit Jahren am Massachusetts General Hospital ebenfalls an einer Heilungsmethode forscht.

Frederick Bantings Hartnäckigkeit war für viele die Rettung

In einer meiner letzten Blogs berichtete ich über die Entdeckung des Insulins durch Frederick Banting und Charles Best vor 90 Jahren.

Man spricht so leichtfertig darüber, dass sie nach einigen Fehlversuchen das Insulin entdeckt hatten. Aber eigentlich  hing es  an einem seidenen Faden und war von vielen Zufällen abhängig, und letztendlich haben wir es der Hartnäckigkeit von Frederick Banting  zu verdanken, dass es überhaupt zu diesen Forschungen kam.

Was wohl die wenigsten Menschen wissen, ist die Tatsache, dass Frederick Banting besessen war von der Idee, ein Heilmittel gegen die damals tödlich verlaufende Krankheit Diabetes zu finden. Er hatte als Jugendlicher miterleben müssen, wie eine Schulfreundin am nicht behandelbaren Diabetes sterben musste. Einen grauenvollen Tod erlitten die Patienten, nachdem sie völlig abgemagert waren und ins Koma fielen. Angehörig mussten daneben stehen und zusehen, wie man nichts tun konnte. So erging es allen Diabetikern vor 1921, bevor Banting und Best das Insulin entdeckten.

Banting  war der Meinung und es war sein Entschluss, selber zu forschen und nicht nur das bereits bekannte Wissen der Medizin  einfach nur umzusetzen. Er wollte nicht nur die Erfindungen anderer Forscher blindlings anwenden.

Eigentlich wollte Frederick Banting Chirurg werden, war aber der Meinung,  vor Eröffnung seiner eigenen Praxis sollte er noch unbedingt auf einem völlig anderen Gebiet forschen. Er entschied sich für den Diabetes, weil ihm das Versterben seiner damaligen Freundin nicht losließ.

Wegen extremen Geldmangels nahm er einen Lehrplatz an der Universität an. Er sollte Studenten im dritten Semester in Physiologie unterrichten. Zum Glück hatte sich niemand anderes beworben, so dass er die Stelle bekam. Es war sein Naturell, sich für den Unterricht optimal vorzubereiten. 1920  wusste man nicht sehr viel über die Funktion der Bauchspeicheldrüse, diesem länglichen Organ, das hinter dem Magen und vor der Wirbelsäule liegt und drei Sekrete namens Lipase, Trypsin und Diastase ausscheidet. Man wusste auch schon, dass dieses Organ den Zuckerhaushalt regelt. Denn bei Tieren, denen man die Bauchspeicheldrüse entfernt hatte, entwickelte sich der Diabetes.

Die damaligen medizinischen  Kapazitäten auf dem Gebiet des Diabetes, heute würde man sie Diabetologen nennen, waren in ihren Bemühungen um Heilung nicht sehr weit gekommen. Es war wieder ein Zufall, dass Frederick Banting in einer Fachzeitschrift  einen Artikel von Dr. Moses Barron las. Auch er beschrieb, wenn Gallensteine die kleinen Kanäle blockierten, die vom Pankreas zum Zwölffingerdarm führten, dass sich das Organ selber verdaut. Er wollte von so einem atrophierten Pankreas aus den noch unbeschädigten Langerhansschen Inseln das Sekret extrahieren, was nach seiner Meinung das „anti diabetische Prinzip“ sei. Wenn die Verdauungssäfte die Langerhansschen Inseln nicht mehr verdauen könnten, so könnte er dieses anti diabetische Hormon nachweisen.

Jetzt musste nur noch ein passendes Labor gefunden werden. Das Labor seines Chefs der Physiologieabteilung Professor Dr. Frederick R. Miller war eindeutig zu klein. Er schrieb an seinen Freund, den damals berühmten Physiologen Dr. J.J.R. Macleod aus Toronto, eine Empfehlung. Er war zu dieser Zeit auf dem Gebiet des Diabetes und des Kohlenhydrat-Stoffwechsels eine Kapazität. Banting bekam seinen Vorstellungstermin und reiste nach Toronto.

 

Fortsetzung folgt