Diabetes und Depressionen verursachen enorme Kosten

„Diabetes“ als Diagnose gestellt zu bekommen, ist eine Belastung, die erst einmal verdaut werden muss.

Diabetes und  Depressionen in Kombination lässt die Qualität der Behandlung stark gefährden.

Die Anzahl der neu diagnostizierten Diabetiker Typ 1 wächst immer mehr an und immer häufiger tritt diese chronische Krankheit im Kindes- und Jugendalter auf.

Diese Diagnose verändert mit der Sekunde den tägliche Tagesablauf und für ganz viele Menschen verändert sich auch die Lebensqualität. 🙁

In Deutschland sind momentan 6,5 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, die meisten jedoch am Typ 2 Diabetes. Allerdings leiden 800.000 Menschen davon an einer behandlungsbedürftigen Depression.

Unter diesen Umständen kommt es sehr häufig zu schlechten Blutzuckerwerten, die natürlich langfristig zu Komplikationen führen müssen. Als Folge davon steigen die Behandlungskosten um bis zu 90% an.

Zwar ist es heute nicht mehr so dramatisch wie vor 50 Jahren, wo es noch strenge Diätregeln und typische Diabetiker Produkte gab, denn heute kann der Diabetiker alles essen, solange er es berechnen kann. Und damit beginnt auch schon die erste Hürde. 😉

Unterschiedliche Arten von Kohlenhydraten lassen den BZ unterschiedlich schnell ansteigen

Es muss sich neues Wissen über die Krankheit angeeignet werden. Die Ernährung steht plötzlich neben den Blutzucker Selbstkontrollen im Mittelpunkt. Erstaunlich, wo überall Kohlenhydrate enthalten sind und wie unterschiedlich sie vom glykämischen Index her im Körper einen Blutzuckeranstieg verursachen.

Der Diabetes mellitus bringt aber nicht nur praktische Veränderungen mit sich, er muss kognitiv und emotional akzeptiert werden. Wer seinen Diabetes nicht akzeptiert und ständig mit sich hadert, wird keine optimale Therapieform umsetzen können.

Krisen und Probleme sind vorprogrammiert, wenn nicht sofort richtig und adäquat gehandelt wird, auch wenn nicht immer zu verstehen ist, warum gerade ausgerechnet jetzt der Blutzucker zu hoch ist und warum er auch nicht sofort auf Insulinkorrekturen reagiert und in den Normbereich absinkt.

Ängste vor Folgeschäden und Nebenwirkungen, vor Behinderungen und Einschränkungen spielen immer im Unterbewusstsein mit. Kein Wunder, dass das Auftreten von Depressionen bei Diabetikern doppelt so häufig vorkommt als in der Allgemeinbevölkerung. Die Suizid Gefahr steigt im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung um das Doppelte an.

Seit dem 1. April 2017 müssen alles Psychotherapeuten zusätzlich Stunden bereitstellen, um jedem psychisch kranken Menschen so schnell wie möglich eine Sprechstunde gewähren zu können.

Diabetes und Depressionen
Wer seinen Diabetes nicht emotional akzeptiert, wird keine optimale Blutzuckereinstellung erreichen

Das Problem ist aber, dass die Psychologen sich nicht mit dem Diabetes auskennen. Wie soll so jemand einem Diabetiker weiterhelfen, der sein Leben nicht mehr lebenswert hält und Ängste entwickelt? 🙁

Jetzt hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft DDG gefordert, dass die Diabetologen eine Weiterbildung im Bereich Psychotherapie absolvieren sollen zum sogenannten „Fachpsychologen DDG“.

Für meine Begriffe würde ein erstes aufklärendes Gespräch mit einem betroffenen Diabetiker mit zusätzlicher psychologischer Ausbildung oft schon reichen. Ich biete die Möglichkeiten in meiner Sprechstunde an, denn ich lebe seit 46 Jahren mit meinem Diabetes Typ 1 harmonisch zusammen. 😉

Diabetes Typ 1 bei Kindern

In Deutschland leben 200.000 bis 300.000 Menschen, die an Diabetes Typ 1 leiden, darunter sind ca. 25.000 Kinder und Jugendliche betroffen.

Diabetes Typ 1 ist die seltenere Form der Diabetes Epidemie.

Kinder und Jugendliche, die täglich mehrmals Insulin spritzen müssen und vorher einen Blutzuckertest durchzuführen haben, um ihre genaue Insulinmenge zu berechnen. Und gemeint sind nicht die immer häufiger übergewichtigen Kinder, die im Laufe der Zeit eine Insulinresistenz bilden und den Diabetes Typ 2 entwickeln.

Die Rede ist von Diabetes Typ 1, einer Autoimmunerkrankung, wo der eigene Körper gegen sich Antikörper entwickelt und die Betazellen zerstört. Der Diabetes bricht aus und wird therapiebedürftig, wenn 80% des Inselzellgewebes bereits zerstört sind. So kann man es immer noch überall lesen. Wahrscheinlich ist aber nur ein geringer Teil der Betazellen defekt, was den Ausbruch der Krankheit Diabetes Typ 1 zur Folge hat.

Diabetes Typ 1 bei kleinen KindernBesonders tragisch ist es, wenn bei kleineren Kindern im Alter von zwei  bis drei Jahren der Diabetes Typ 1  diagnostiziert wird. Diese Kinder können noch nicht selbständig ihren Blutzucker testen und auch noch nicht ihr Insulin spritzen, das wird von den Eltern übernommen.

Aber Mitleid ist hier nicht angesagt, denn im Grunde werden die Kinder damit groß und kennen es nicht anders und nur für einen Außenstehenden klingt es immer tragisch.

Ich rede da aus eigener Erfahrung, denn ich war elf Jahre, als bei mir der Diabetes Typ 1 diagnostiziert wurde. Allerdings in einer Zeit, die man sich heute nicht mehr vorstellen kann. In den 70er Jahren gab es wenige typische Diabetiker Produkte, die zwar furchtbar schmeckten, aber ein Ersatz für Süßigkeiten waren. Inzwischen sind diese Produkte zum Glück vom Markt genommen worden.

Heute ist jeder Diabetiker in der Situation, dass er sofort in wenigen Sekunden seinen Blutzucker selber bestimmen kann. 1972 war man weit davon entfernt, ein eigenes Blutzuckermessgerät zu haben. Auch die individuelle Insulinanpassung gab es noch nicht und man hatte einen strengen Diätplan einzuhalten.

Man stelle sich folgende Situation vor:

Morgens um 6:45Uhr klingelt der Wecker. Ein elfjähriges Mädchen steht auf und macht sich fertig für die Schule. Sie muss allerdings an mehr denken, als nur sich zu waschen und anzuziehen. Ein morgendliches Ritual, was inzwischen zur Gewohnheit geworden ist. Wenn andere einfach auf die Toilette gehen, muss sie ihren Urin in einem Glas auffangen. Mit einer Pipette wird sie nun einige Tropfen Urin mit Wasser verdünnt in ein Reagenzglas geben. Das Mischverhältnis muss genau eingehalten werden, weil sonst das Ergebnis verfälscht ist. Nun wirft das Mädchen eine Tablette hinein, die in einem luftdicht verpackten Röhrchen aufgehoben wird. Es beginnt ein fürchterliches Schäumen in dem Reagenzglas. Nach einigen Sekunden hat sich die Flüssigkeit verfärbt: gelb bis orange oder grün bis ins dunkelblau gehend sieht die Flüssigkeit nun aus und wird mit einer Farbskalar auf dem Tablettenröhrchen verglichen. Das Mädchen weiß nun, wie viel Zucker es mit ihrem Urin über Nacht ausgeschieden hat. Waren es 1% oder 5% oder zeigt die Farbskalar an, dass alles negativ ist? Danach wird das lebenswichtige Insulin aufgezogen. Vorsichtig mit einer Pinzette hantierend setzt sie den Glaszylinder und den Kolben zusammen und setzt eine Nadel auf. Aus einer kleinen 10 ml-Flasche zieht sie ein trübe Flüssigkeit auf, die sie vorher in ihren Händen durch rollen gemischt hatte. Auf der Spritze sind kleine und größere Striche eingezeichnet. Jeder kleine Strich bedeutet, dass vier internationale Einheiten von der Flüssigkeit in die Spritze aufgezogen wurden. Die Menge ist genauso berechnet, dass sich nun der Blutzuckerspiegel des Mädchens für den ganzen Tag  im normalen Bereich befindet, vorausgesetzt  sie hält sich an die Diätvorschriften und bewegt  sich nicht außergewöhnlich mehr. Eine ¾ Stunde später kann das Mädchen frühstücken. So lange braucht das Insulin, um seine optimale Wirkung entfalten zu können.

 

Wenn man das heute einem Kind im Alter von fünf bis zehn Jahren vorliest, bei dem der Diabetes Typ 1 diagnostiziert worden ist, wird es das nicht verstehen können, so wie die Kinder von heute auch fast schon keinen Walkman mehr kennen. 😉

Trotzdem wünscht sich jeder, dass diese Krankheit mal geheilt werden kann. Und ab und zu liest man ja auch von irgendwelchen bahnbrechenden Erfindungen, die an Mäusen ausprobiert wurden und  dann in ferner Zukunft mal auch für Menschen möglich sein könnten.

Jedoch sagte man mir schon vor 30 Jahren, dass es demnächst bahnbrechende Veränderungen geben wird. Und was man feststellen kann, sind neue noch schnellere Messgeräte, genauere Blutzuckerüberwachungen und leichtere digitale Übertragungen und Dokumentationen. Alles sind nette Dinge, die den Diabetes verwalten und managen. Doch es bleibt nach wie vor bei der Behandlung von Diabetes Typ 1, von Heilung ist man meilenweit entfernt.

Wenn man dann liest, wo die Millionen von Forschungsgeldern hingehen, könnte man weinen.