Fortschritt geht manchmal sehr langsam

Fortschritt ist in jeglicher Art notwendig, um sich weiter zu entwickeln.

Fortschritt gibt es in allen Bereichen, bedingt durch Menschen, die Visionen haben und sich nicht durch dummes Gerede oder durch Festalten an alten Dingen abbringen lassen. Aber warum dauern manche Dinge, die heute für uns absolut normal sind immer so lange, bis sie sich durchsetzen?

Jeder kennt heute die Geschichten der Gebrüder Wright, Wilbur und Orville Wright, die an die Möglichkeit geglaubt hatten, dass der Mensch eines Tages fliegen wird. Ihrem Ehrgeiz haben wir es zu verdanken, dass wir heute Transatlantikflüge machen können und Entfernungen kein Problem mehr für uns darstellen. Fortschritt in der Flugzeugindustrie.

1929 entdeckte Alexander Fleming eine Substanz, die antibakteriell wirksam war, das Penicillin. Allerdings für die Medizin als Fortschritt anzusehen, war es erst  zwölf Jahre später durch Howard W.  Florey, Ernst B. Chain und Norman Heatley, als es in der Praxis als Antibiotikum eingesetzt wurde.

1843 vertrat der amerikanische Schriftsteller und Arzt Oliver Wendelholmes die Auffassung, dass das damals immer auftretende Kindbettfieber ansteckend sei. Doch es brachte ihm nur üble Verspottung  ein. Einige Jahre später, 1847 empfahl der ungarische Arzt Ignaz Philipp Semmelweis seinen Kollegen, sich nach den einzelnen Entbindungen doch die Hände mit chloriertem Wasser zu waschen. Er konnte mit diesem Fortschritt in seiner Klinik in Wien und später in Budapest die Sterblichkeitsrate bei Säuglingen von damals 16 Prozent auf ein Prozent senken.  Aber auch damals gab es schon reaktionäre Ärzte, die alles besser wussten und seine Vorschläge ablehnten.

Aus der heutigen Sicht ist so ein Verhalten nicht mehr vorstellbar. Ja man könnte es sogar als unterlassene Hilfeleistung einstufen, wenn auf Grund von unhygienischen Zuständen Säuglinge ums Leben kamen. Doch das war vor 169 Jahren, wo der Wissensstand noch nicht so weit war. Heute ist jedem bewusst, dass sterile Verhältnisse bei operativen Eingriffen lebensnotwendig sind.

Arzt im OP
Fortschritt durch sterile Bedinnungen im OP

1927 isolierte der Wissenschaftler Albert Szent-Györgi  die Ascorbinsäure aus Pflanzen- und Gewebeextrakten und identifizierte sie 1932 als das Vitamin C, was gegen Skorbut bereits 1907 hilfreich war. Er sagte damals schon voraus, dass es in der richtigen Dosierung phantastische Ergebnisse in der Verbesserung für die menschliche Gesundheit bringen könnte. Trotzdem wird es heute noch immer von Ernährungswissenschaftlern ignoriert und mit einer Empfehlung von 100 mg von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung  als ausreichend eingestuft. Das kann man nicht gerade als Fortschritt bezeichnen.

Die Standardernährung von Affen in amerikanischen Zoos ist 23-mal höher, als man dem Menschen zugesteht. Soviel Vitamine brauchen unsere nächsten Verwandten zur Erhaltung der Gesundheit, um sich vor Infektionen zu schützen und sich zu vermehren. Das Genmaterial von Affen weicht gerade mal 1% vom Menschen ab. Durch die niedrigen Zufuhrempfehlungen wiegt sich der Verbraucher in einer falschen Sicherheit. Eine optimale Gesundheitsvorsorge berücksichtigt heute die Langzeitfolgen des Vitaminmangels und geht von einem höheren Bedarf aus, als uns die Deutsche Gesellschaft für Ernährung mit ihren Empfehlungen, teilweise aus den 60ger Jahren stammend, zugestehen will.

1922 entdeckte Frederick Banting zusammen mit Charles Best das Insulin. Das war ein enormer Fortschritt in der Medizin und im Grunde haben wir es seiner Hartnäckigkeit zu verdanken, dass heute Millionen von Menschen nicht mehr sterben müssen, wenn die Diagnose „Diabetes mellitus“ festgestellt wird. Die industrielle Vermarktung des Insulins ging relativ schnell  über die Bühne. In einer meiner früheren Berichte hatte ich schon mal die Überlegung angestellt, wie es wohl ausgegangen wäre, wenn man damals schon in einer anderen Richtung gedacht hätte und vielleicht nicht nur die Gewinne der Insulinvermarktung gesehen hätte?  Frederick Banting hatte nämlich bemerkt, dass sich die abgebundenen Bauchspeicheldrüsen der Hunde wieder erholt hatten, nachdem er die Abbindung gelöst hatte. Es hat über 90 Jahre gedauert, bis die JDRF festgestellt hatte, dass sich die Betazellen erneuern können und nicht irreversibel zerstört sind.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, könnte man einen Zeitsprung in das Jahr 3010 machen, dass dann niemand mehr die Krankheit „Diabetes mellitus“ als unheilbare Autoimmunkrankheit kennen wird, weil sich seine Heilmethode als Fortschritt  durchgesetzt hat.

Wer von unseren Kindern kennt heute noch die Pest oder kann was mit der Cholera anfangen? Zumindest nicht in unseren Breitengraden, wo Trinkwasser- und Abwassersysteme  getrennt sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

E-Book Sofort-Download und Newsletter abonnieren - bitte anklicken