Gute Schwangerschaftsvorbereitungen bei Diabetes

Diabetes und Schwangerschaft sind heute keine Problem mehr und Diabetikerinnen können ihre Schwangerschaft normal beenden.

Vor 40 Jahren sah das noch ganz anders aus.

Diabetes und Schwangerschaft muss gut vorbereitet sein

Als man bei mir mit 11 Jahren meinen insulinpflichtigen Diabetes mellitus Typ 1 diagnostiziert hat, vertrat man noch die Meinung, dass es sehr schwierig sein wird, eine normale Schwangerschaft erleben zu können und der Wusch nach Nachwuchs sollte spätestens mit dem 30. Lebensjahr abgeschlossen sein. Häufige Kaiserschnitte und Geburten mit schweren unreifen Kindern waren normal.

Als Kind machte ich mir damals gar keine Gedanken. Doch zum Glück kam es ganz anders als vorhergesagt. Und wie so oft verändert sich der medizinische Fortschritt so schnell, dass man heute gar keine Aussage treffen kann, was mal in einigen Jahren sein wird. Ich habe heute zwei gesunde Söhne und hatte zwei Bilderbuchschwangerschaften ohne jegliche Komplikationen oder Einschränkungen.

Trotzdem ist die Schwangerschaft bei Diabetes immer eine Risikoschwangerschaft und es sollten einige Dinge besonders beachtet werden:

  1. Schwangerschaft gut planen und erst die Verhütungsmittel absetzen, wenn der HbA1c-Wert unter 6,5 % liegt. „Mal sehen, wann es klappt“  ist bei Diabetes nicht angezeigt.
  2. Gute Blutzuckerwerte sollten absolute Priorität haben und mit allen Mitteln angestrebt werden. Vielleicht ist es sinnvoll, auf eine Pumpentherapie umzustellen, wenn starke Schwankungen vorkommen und häufige Hypoglykämien mit Blutzuckerspitzen sich abwechseln. Die Werte nüchtern und vor den Mahlzeiten sollten zwischen 60 bis 90 mg/dl liegen, eine Stunde nach dem Essen sollten sie unter 140 mg/dl sein und nach zwei Stunden postprandial maximal wieder 120 mg/dl betragen. Eine normoglykämische Einstellung muss unbedingt angestrebt werden.
  3. Häufigere Messungen bis zu achtmal am Tag werden normal sein, lieber einmal öfter als zu wenig kontrollieren. Daher in dieser Zeit keine Experimente mit unbekannten Nahrungsmitteln machen, die einen unvorhergesehenen Blutzuckeranstieg erwarten lassen. Besonders in dieser Zeit fällt es aber sehr leicht, denn man ist hochmotiviert.
  4. Vielleicht muss das Insulin gewechselt werden. Der Einsatz von lang wirkenden Analoginsulinen ist umstritten und kann das Wechseln auf ein humanes Basalinsulin erforderlich machen. Dagegen sind kurz wirkende Analoginsuline als unbedenklich eingestuft, wenn sie Aspart und Lispro als Wirkstoff haben. Da in der Schwangerschaft viele im ersten Drittel mit Übelkeit und Erbrechen zu kämpfen haben- und das muss nicht anders sein bei Diabetes -, kann man bei einem schnell wirkendem Analoginsulin erst nach dem Essen spritzen, wenn man sicher ist, es „wird drin bleiben“. Das geht nicht bei einem herkömmlichen Normalinsulin, denn da würde die Wirkung des Insulins zu spät einsetzen und es zu hohen Blutzuckerspitzen nach dem Essen kommen.
  5. Wie allerdings auch bei stoffwechselgesunden Frauen sollte wegen der Gefahr der Missbildung auf genügend Folsäure geachtet werden und ein Jodpräparat eingenommen werden, da es in der Schwangerschaft zu einem erhöhten Bedarf kommt. Bei Diabetes Typ 1 kommt es häufig zu Schilddrüsen Unterfunktionen, daher vorher die Schilddrüse untersuchen lassen.
  6. Lassen Sie vorher Ihren Augenhintergrund untersuchen. In der Schwangerschaft können  sich Netzhautschäden verschlimmern. Beim Pressvorgang während der Geburt kann es zu starken Gefäßblutungen kommen. Vielleicht muss vorher noch eine vorbeugende Behandlung durchgeführt werden.
  7. Wenn sie an einem Bluthochdruck leiden, sollten sie eventuell die Medikation ändern, denn ACE-Hemmer  und AT-1-Antagonisten haben in der Schwangerschaft nichts zu suchen. Wählen Sie Alternativen wie zum Beispiel u.a. auch Omega-3-Fettsäuren in höherer Dosierung als sie als Nahrungsergänzungen genommen werden.

Manchmal kann es erforderlich sein, sich die ganzen 40 Wochen arbeitsunfähig schreiben zu lassen. Je nach Berufsausübung sollte sicher gestellt sein, dass man immer genügend Zeit hat, seine Stoffwechsellage zu kontrollieren und vielleicht einen etwas regelmäßigeren Tagesablauf einzunehmen.

Man wird es sich nie verzeihen können, wenn man wegen unüberlegten Ehrgeizes arbeitsfähig bleiben möchte, aber nicht in der Lage ist, seinen Blutzucker engmaschig  kontrollieren zu können, um im gegebenen Fall sofort reagieren zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

E-Book Sofort-Download und Newsletter abonnieren - bitte anklicken