Insuline und ihre Wirkungszeit

Jeder Diabetiker Typ 1 benötigt Insulin. Einige wenige Typ 2 Diabetiker, die normalgewichtig sind und deren Blutzuckereinstellung nicht optimal ist werden auch rechtzeitig mit Insulin behandelt. Deshalb sollte jeder insulinpflichtige Diabetiker wissen, wie sein Insulin wirkt. Er sollte seinen Stoffwechsel kennen und wie er auf die unterschiedlichsten Ernährungsformen reagiert. Man benötigt für einen Toast mit Marmelade eine andere Menge Insulin als für eine Naturjoghurt.

Vor der Entdeckung des Insulins durch Frederick Banting und Charles Best im Jahre 1921 waren die Diabetiker dem Tode geweiht. Es gab keine Behandlung, auch wenn die Kohlenhydrate eingespart wurden. Die ersten Insuline waren schwach konzentrierte Insuline, die öfter gespritzt werden mussten. Verzögerungsinsuline kamen später auf den Markt. Man hatte sehr schnell erkannt, dass die Entdeckung des Insulins ein einträchtiger Markt werden würde.

Wenn man im „Clinical Chemistry“ den Artikel von Louis Rosenfeld „Insulin: Discovery and Controversy“ über die Entdeckung des Insulins und die ersten Meinungsverschiedenheiten der daran Beteiligten liest, so stolpert man über eine Stelle, die einem sehr zum Nachdenken stimmt:

In 1981, Rolf Luft, a former chairman of the Nobel selection committee for the physiology or medicine award, told the NIH that in his view, the 1923 award to Banting and Macleod was the worst error of commission. It was a message Luft had delivered before. At a 1972 anniversary symposium on insulin, he dismissed Macleod as a manager and promoter who “put Collip and the Lilly Company into business”. 

Rolf Luft muss sehr weitsichtig gewesen sein, als er die Andeutung Jahre später machte, dass es der größte Fehler gewesen war, die Insulinfirma Lilly mit ins Geschäft genommen zu haben. Wären die Forschungen sonst wohl anders ausgegangen, wenn die Insulinproduktion nicht so im Vordergrund gestanden hätte?

Nun, heute 90 Jahre später können wir es nicht mehr ungeschehen machen. In der Insulinentwicklung ist viel passiert seit 1921.

Es gibt kurz wirkende Insuline, die nach  15 bis 30 Minuten beginnen zu wirken, ihr Wirkungsgipfel nach  1-2 Stunden einsetzt und eine Wirkdauer von drei bis fünf Stunden haben.

Die Normal-Insuline, früher auch Altinsulin genannt, haben eine spätere Einwirkzeit, das bedeutet, man muss sie 30-60 Minuten vor der Mahlzeit injizieren, ihr Wirkungsgipfel ist nach 2-4 Stunden und die Wirkdauer beträgt vier bis sechs Stunden.

Die schnellwirkenden Analoginsuline beginnen bereits nach 10-15 Minuten zu wirken, was natürlich im Alltag sehr praktisch ist. Man kann unmittelbar vor dem Essen seine Insulindosis injizieren und muss keine langen Abstände zwischen Injektion und Essensaufnahme einhalten. Dafür wirken sie aber nur 3-5 Stunden lang und ihr maximaler Wirkungsgipfel liegt bei  ungefähr ein bis 1 ½ Stunden.

Die NPH Verzögerungsinsuline  beginnen erst ab zwei bis vier Stunden zu wirken, können also niemals eine Mahlzeit abdecken, haben ihren maximalen Wirkungsgipfel nach vier bis acht Stunden und können theoretisch 12 bis 20 Stunden lang wirken.

Und dann gibt es noch die langwirkenden Analog-Insuline, sie setzen sehr spät zu wirken ein, nach 3-4 Stunden. Dafür spritzt man sie nur einmal, weil sie zwischen 20 und 30 Stunden wirken, der maximale Wirkungsgipfel liegt bei 8-14 Stunden.

Alle  Angaben variieren je nach Menge der gespritzten Insulineinheiten und hängen  von der Einstichstelle ab.

Der Diabetiker muss nun je nach Insulinwirkung seine Mahlzeiten verteilen. Das bedeutet, er muss essen, ob er Hunger hat oder nicht, wenn zur bestimmten Zeit die maximale Wirkung seines Insulins stattfindet.

Eine Lebensqualitätssteigerung ist dann die Insulineinstellung mit einer Insulinpumpe, man ist wesentlich flexibler und nicht mehr von bestimmten Zeiten abhängig. Aber auch hier muss genau berechnet werden, wie viel Insulin zu welcher Zeit bei welcher Art von Kohlenhydraten „abgedrückt“ werden muss.

Wie bei allen Dingen im Leben kommt man mit der Therapie zurecht, mit der man sich arrangiert hat. Die Tatsache, dass es eine Heilung für Typ 1 Diabetiker gibt, lässt uns wieder erneut aufhorchen und gespannt abwarten.

 

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