Frederick Bantings Hartnäckigkeit war für viele die Rettung – Teil 2

Während Frederick Banting als junger Arzt nach Toronto fuhr, um bei Dr. Macleod nach einem geeigneten Laborplatz für seine Forschung zu fragen, kamen ihm die ersten Bedenken. Wie sollte er als ein Niemand dem großen Macleod, der scheinbar alles über Diabetes zu wissen schien, klarmachen, was er vorhatte? Macleod war ihm an Erfahrung und akademischem Rang weit voraus, hatte an den Universitäten Aberdeen in Schottland und Cambridge in England promoviert und war jahrelang Mitglied der medizinischen Fakultät der Universitäten Berlin und Leipzig gewesen. Er war Autor vieler Bücher.

Seine Bedenken bestätigten sich. Macleod  schickte ihn wieder heim, denn es war ihm klar, dass es mehr bedarf als ein paar Hunde und sein Labor für einige Versuche. Er hatte Banting so gezielt Fragen gestellt, die ihm eindeutig klarmachten, wie wenige Erfahrungen er auf dem Gebiet des Diabetes hatte. Es war erniedrigend für Banting. Scheinbar wollte Macleod ihn nicht verstehen. Doch es interessierte Banting nicht im Geringsten, wie viele erfahrene Wissenschaftler auf dem Gebiet ohne Erfolg bereits geforscht hatten. Sie  waren  sich ja nicht einmal sicher, ob ein Hormon existieren würde. Banting war sich dessen sicher und wollte beweisen, dass er es sogar isolieren kann, um es zu nutzen. Aber alle Argumente verfehlten seine Wirkung, Macleod schickte ihn wieder heim.

Frederick Banting gab nicht auf. Er und seine Kollegen glaubten an sein Vorhaben. Banting überlegte sogar, an anderen Universitäten vorzusprechen, doch er wollte unbedingt in Kanada bleiben. So unternahm er einen zweiten Versuch bei Macleod und sogar einen dritten, als er hörte, dass Macleod eine längere Reise in seine Heimat Schottland plante. In dieser Zeit wollte er das Labor benutzen. Obwohl er wusste, wie demütigend und erniedrigend es sein würde, erneut vorzusprechen, begab er sich in die Höhle des Löwen. Er wurde wieder mit einem „Lassen Sie es bleiben und stören mich nicht schon wieder“ abgespeist.  Jetzt riss Banting der Geduldsfaden und er schrie Macleod an, dass es ihm völlig egal sei, wie viele vor ihm an diesem Projekt gearbeitet hatten und wie gut diese Wissenschaftler geschult waren. Er war fest davon überzeugt, es zu schaffen und erklärte ihm noch einmal seine Vorgehensweise. Macleod stimmte endlich nur zu, um beweisen zu können, dass es dieses Sekret nicht geben würde. Das wäre nach seinen Vorstellungen für die Physiologie von größtem Wert gewesen und er hätte sich endlich wieder wichtigeren Dingen widmen können.

Man kann es sich überhaupt nicht vorstellen, was im Kopf von Banting vorging, der fest davon überzeugt war, in den Langerhansschen Inseln ein Sekret vorzufinden, was das „anti diabetische Hormon“ sein sollte. Und jetzt wünschte man ihm einen Fehlschlag? Unfassbar.

Banting bekam für einige Wochen das Labor, zehn Hunde und zwei freiwillig gemeldete Studenten zur Unterstützung, von denen einer allerdings beschloss, während der Ferien nicht zu arbeiten, nachdem er von Bantings Plänen gehört hatte. So blieb nur noch Charles H. Best übrig.

Wie wäre es ausgegangen, wenn dieser so erfahrene Arzt mit seinen Vermutungen Recht behalten hätte und Banting sich hätte abwimmeln lassen? Ich mag es mir lieber nicht vorstellen.

Seit 90 Jahren spritzen Diabetiker weltweit das entdeckte Insulin von Banting und Best und sind dadurch in der Lage, ein fast normales Leben zu führen. Und wie bei jeder großen Entdeckung ist man hinterher immer schlauer. Denn genau dieser Macleod schmückte sich später mit den Lorbeeren und hielt Vorträge über Insulin, das man hätte annehmen können, er wäre einer der Erfinder gewesen.

In letzter Zeit liest man wieder von neuen Möglichkeiten der Heilung und wieder schreien die großen Diabetologen, dass es unmöglich sei, weil sie noch nie davon gehört haben. Aber Hartnäckigkeit zahlt sich immer aus und könnte für viele ein Segen sein.

Die JDRF veröffentlichte einen Artikel, dass sich die Betazellen erneuern können. Bis zu diesem Zeitpunkt war in allen Medizinbüchern geschrieben, dass bei Ausbruch des Diabetes diese Betazellen irreversibel zerstört seien. Nun scheint ein Umdenken notwendig zu sein.

4 Gedanken zu „Frederick Bantings Hartnäckigkeit war für viele die Rettung – Teil 2“

  1. Super, endlich ein gut geschriebener Beitrag, besten Dank. Muss man sich nochmal in Ruhe durchlesen. Generell finde ich die Seite leicht zugaenglich.

  2. Danke für die lobenden Worte.
    Ich werde mich bemühen, weitere Informationen zu sammeln.
    Es ist hochinteressant und viele Details sind nicht bekannt.

  3. Sehr gute Zusammenfassung der damaligen Vorgänge. Vielleicht könnten Sie noch etwas tiefer recherchieren, was die Selbstverdauung des Pankreas bewirkte und was die Gedanken Best & Bantings dazu waren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

E-Book Sofort-Download und Newsletter abonnieren - bitte anklicken