Kaum mehr vorstellbar für heutige Verhältnisse

Albert Einstein prägte den Satz “Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen“.

Aber wie schnell vergeht die Zeit und man gewöhnt sich an die angenehmen Dinge und vergisst all zu schnell die unangenehmen Sachen.

Was ist das?

Morgens um 6:45Uhr klingelt der Wecker. Ein elfjähriges Mädchen steht auf und macht sich fertig für die Schule. Sie muss allerdings an mehr denken, als nur sich zu waschen und anzuziehen. Ein morgendliches Ritual, was inzwischen zur Gewohnheit geworden ist. Wenn andere einfach auf die Toilette gehen, muss sie ihren Urin in einem Glas auffangen. Mit einer Pipette wird sie nun einige Tropfen Urin mit Wasser verdünnt in ein Reagenzglas geben. Das Mischverhältnis muss genau eingehalten werden, weil sonst das Ergebnis verfälscht ist. Nun wirft das Mädchen eine Tablette hinein, die in einem luftdicht verpackten Röhrchen aufgehoben wird. Es beginnt ein fürchterliches Schäumen in dem Reagenzglas. Nach einigen Sekunden hat sich die Flüssigkeit verfärbt: gelb bis orange oder grün bis ins dunkelblau gehend sieht die Flüssigkeit nun aus und wird mit einer Farbskalar auf dem Tablettenröhrchen verglichen. Das Mädchen weiß nun, wie viel Zucker es mit ihrem Urin über Nacht ausgeschieden hat. Waren es 1% oder 5% oder zeigt die Farbskalar an, dass alles negativ ist? Danach wird das lebenswichtige Insulin aufgezogen. Vorsichtig mit einer Pinzette hantierend setzt sie den Glaszylinder und den Kolben zusammen und setzt eine Nadel auf. Aus einer kleinen 10 ml-Flasche zieht sie ein trübe Flüssigkeit auf, die sie vorher in ihren Händen durch rollen gemischt hatte. Auf der Spritze sind kleine und größere Striche eingezeichnet. Jeder kleine Strich bedeutet, dass vier internationale Einheiten von der Flüssigkeit in die Spritze aufgezogen wurden. Die Menge ist genau so berechnet, dass sich nun der Blutzuckerspiegel des Mädchens für den ganzen Tag  im normalen Bereich befindet, vorausgesetzt  sie hält sich an die Diätvorschriften und bewegt  sich nicht außergewöhnlich mehr. Eine ¾ Stunde später kann das Mädchen frühstücken. So lange brauchte das Insulin (Verzögerungsinsulin), um seine optimale Wirkung entfalten  zu können.

Das Mädchen ist zuckerkrank, sie ist Diabetikerin.

Heute fast 40 Jahre später ist es kaum vorstellbar, dass man so einen Aufwand gehabt hat, und es war völlig normal, denn man kannte es nicht anders. Man lebt mit dem Gedanken, ein Leben lang auf dieses Insulin angewiesen sein zu müssen.

Dieses Mädchen trägt heute die Insulinpumpe, macht vor dem Essen einen Blutzuckertest und ruft über die Pumpe in halben Einheiten ihre Insulinmenge ab, je nachdem was sie essen möchte. Die Zeiten der „Urinpantscherei“ sind lange vorbei.

Die Angst vor Komplikationen ist allerdings geblieben.

Die Aussicht, dass diese unheilbare Krankheit nun doch geheilt werden kann, wird durch neue Artikel immer realistischer. Allerdings sind das alles nur Hoffnungsschimmer, die noch meilenweit von der Behandlung von Prof. von Arnim entfernt sind. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass diese Behandlung in absehbarer Zeit Realität sein wird. Es ist allerdings trotzdem interessant, dass man immer öfter über Heilungschancen lesen kann.

In der Medizin sind 90 Jahre eine halbe Ewigkeit und es verändert sich sehr viel.

Zum Glück!

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