Betazellen sind irreversibel zerstört?

Betazellen sollen bei Manifestation von Diabetes Typ 1 irreversibel zerstört sein, das bedeutet dieser Prozess ist „nichtumkehrbar“.

Betazellen sind zu 80% in der Bauchspeicheldrüse irreversibel zerstört und man muss ein Leben lang Insulin spritzen. So kennt es jeder Diabetiker, dem man irgendwann mal die Diagnose „Diabetes mellitus Typ 1“ mitgeteilt hat.

Das scheint ja nun nicht mehr die Tatsache zu sein, denn bereits die JDRF berichtete im letzten Jahr über die Entdeckung, dass sich die Betazellen erneuern können, also nicht irreversibel zerstört sind.

Auch Frau Dr. Denise Faustman vom bekannten Massachusetts General Hospital gab darüber ein Interview und berichtete von der Erneuerung der Betazellen, was natürlich völlig neue Behandlungsmethoden und Heilungschancen erahnen lässt.

Aber wie das so mit einem alteingeführten Dogma ist, es ist gar nicht so einfach, es  umzuhauen.  Das erfordert Umdenken und viele Leitlinien und Lehrbücher müssen umgeschrieben werden.

„Unter einem Dogma (altgr. δόγμα, dógma, „Meinung, Lehrsatz; Beschluss, Verordnung“) versteht man eine fest stehende Definition oder eine grundlegende (Lehr-)Meinung, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich gilt.“ so ist die Aussage laut Wikipedia.

Und bevor so ein als unumstößlich geltender Wahrheitsanspruch zu Boden geht, muss das Gegenteil bewiesen werden.

Und bis so Fachlektüren umgeschrieben werden und aus dem Verkehr gezogen werden, vergehen noch einmal einige Jahre. Es ist manchmal ganz schön frustrierend, was man so in „Fachlektüren“ zu lesen bekommt oder auf Fachtagungen an Prospektmaterial verteilt wird. Da findet man immer noch Gewichtsberechnungen nach dem Broca-Index, wenn es um das Idealgewicht geht, obwohl schon längst der Body-Mass-Index BMI bereits durch das Taille-Hüft-Verhältnis, dem THV oder im Englischen sagt man auch Waist-hip ratio oder Waist-to-hip ratio (WHR) abgelöst wurde.

Nun das ist nicht das größte Problem, denn die meisten richten sich eh nach ihrem Wohlfühlgewicht, wenn sie an ihr Körpergewicht denken und kümmern sich wenig darum, wie dieses Gewicht berechnet wird.

Anders sieht es bei der Diabetikerschulung aus.

War es zu Anfang der 90er Jahre noch verboten, Diabetikern den Zucker in reiner Form zu erlauben, so lernen heute die Diabetiker mit Diabetes Typ 2, dass bis zu zehn Prozent der täglich benötigten Kalorienmenge aus Zucker stammen darf. Über den Tag verteilt entspricht das bei 2.000 Kilokalorien 50 Gramm Zucker. Ziel bei Diabetes Typ 2 ist,  Gewicht  zu verlieren und auf die Kalorien zu achten. Deshalb ist es auch gut, dass die sogenannten Diabetikerprodukte aus den Läden verschwinden. Eine Diätschokolade enthält ähnlich viel Fett und Kalorien wie eine normale Schokolade, ist allerdings doppelt so teuer.

Aber was findet man im Internet, wenn ein frisch diagnostizierter  Diabetiker beginnt bei Google zu suchen? Hat er jemals vorher von Betazellen gehört?

„Wer jedoch an Diabetes Typ 1 erkrankt ist, wird sein ganzes Leben auf Fremdinsulin angewiesen sein.“ 

gelesen bei http://www.ratgeber.de/ratgeber-home/gesundheit/diabetes-mellitus/kann-man-diabetes-heilen.html


Bei der Deutschen Diabetes Gesellschaft, der wohl größte Organisation mit 8000 Mitgliedern findet man folgende Zeilen, die sie über sich selbst schreibt:

Betazellen sind beim Diabetes Typ 1 zu 80% irreversibel zerstört

„Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) gehört mit ihren 8000 Mitgliedern zu den großen medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland. 

Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien.

Ziel ist eine noch wirkungsvollere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der Millionen von Menschen in Deutschland betroffen sind.“

Und vom 25.10.2011 in ihren Leitlinien ist der Diabetes Typ 1 folgendermaßen definiert:

 „Diabetes mellitus Typ-1 kennzeichnet ein „absoluter Insulinmangel“. Denn bei dieser Autoimmunerkrankung gehen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zugrunde. Dem Körper fehlt dadurch das lebenswichtige blutzuckersenkende Hormon Insulin, so dass der Patient es sich lebenslang spritzen muss.“

Eine so große kompetente Gesellschaft mit derartigen Zielen wird wohl als erste darauf reagieren, wenn ganz offiziell bekannt ist, dass sich die Betazellen erneuern können, denn das bietet völlig neue Behandlungsmethoden.

 

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Eine Antwort auf Betazellen sind irreversibel zerstört?

  1. Sehr informativ. Neue Erkenntnisse brauchen leider lange bis sie sich durchsetzen.

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